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RHETORISCHE MITTEL & STILMITTEL | Beispiele

Rhetorische Mittel bzw. Stilmittel

Prolog zu rhetorische Mittel bzw. Stilmittel

Natürlich soll dieser auch anhand der Sprachwahl Ihre Kompetenz erkennen können und der Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Hausarbeit eine hohe Wertigkeit sowie hohen Informationsgehalt beimessen. Ein sicherlich noch weit verbreiteter Irrglaube ist, dass, je komplizierter man sich ausdrückt, desto höher der Grad an Wissenschaftlichkeit. Tatsächlich ist es aber geboten, ein hohes Maß an Verständlichkeit zu erreichen.

Beispiele für gehobene Rhetorische Mittel & Stilmittel

Zu vermeidenBessere rhetorische Mittel
Lange, verschachtelte SätzeKurze Sätze, die maximal einen Gedanken enthalten
Tautologien (bereits schon, ebenso auch) und Pleonasmen (weißer Schimmel, neue Innovation) (vgl. Wagner 2012: 186)Entscheidung für eines der beiden sinnverwandten Wörter: z. B. nie statt nie und nimmer, erneut statt wieder erneut; Auswahl statt selektive Auswahl, Anlage statt beiliegende Anlage (vgl. Wagner 2012: 18; hierzu auch Krämer 2009: 104)
Füllwörter (unter Beweis stellen, zur Anwendung bringen), Angstwörter (wohl/ gewissermaßen), Poetik/Übertreibungen (immens, enorm) (vgl. Rossig & Prätsch 2005: 143-45)Verben statt Nomen, also kurz und präzise formulieren: beweisen, anwenden; sich nicht von den eigenen Aussagen distanzieren: Es hat sich gezeigt (nicht: Also hat es sich gewissermaßen gezeigt); Zahlen/Fakten nennen, keine Verallgemeinerungen (Was sind immense Schäden/enorme Zuwächse?) (vgl. Rossig & Prätsch 2005: 143-45)
Viele Abkürzungen, Modeanglizismen z. B. „Aber die audience hat das alles von Anfang auch supported“ (Jil Sander, zitiert in Kornmeier 2013: 227)Nur unbedingt notwendige, themenspezifische Abkürzungen (wichtig: Abkürzungsverzeichnis zur Erklärung); nur Wörter, die Teil des deutschen Wortschatzes sind (z. B. Job, Team oder auch Mind maps (Gedankenlandkarten ist weniger geläufig) (vgl. Kornmeier 2013: 227)
Modische Kunstwörter als Teil geschlechtergerechter Sprache, z. B. StudentInnenKompromiss zur Verwendung des männlichen Geschlechts durchweg sichtbar machen, z. B. Lehrerinnen und Lehrer oder neutralisieren, z. B. Lehrende

Fachausdrücke und Anglizismen als rhetorische Mittel: Die Suppe (bitte nicht) versalzen

Auch nicht selbstverständlich sind Fachausdrücke, wie sie in jeder Wissenschaft verwendet werden, und Abkürzungen. Von beiden sollte man als rhetorisches Mittel nur Gebrauch machen, wenn sie sich aus der Forschungsfrage ergeben, und „themenspezifische Abkürzungen sollten sparsam angewendet und müssen ausnahmslos in einem Abkürzungsverzeichnis erklärt werden“ (Theisen 2013: 155). Sparsamkeit zahlt sich hier wirklich aus, denn Ihr Text wird dadurch viel verständlicher.

Wichtig: Übertriebener „Aküfi“ (Abkürzungsfimmel) strengt den Leser an. Merken Sie was?

Nicht zu verwechseln mit Fachausdrücken, integraler Teil einer wissenschaftlichen Arbeit, wie die Hausarbeit, Bachelorarbeit oder Masterarbeit, sind Fremdwörter und/oder Anglizismen. „Denn auch wenn Sie es noch so ‚trendy‘ finden: In einer wissenschaftlichen Arbeit haben Modeanglizismen und andere ‚coole‘ englische Begriffe nichts zu suchen!“ (Kornmeier 2013: 227).

Häufige Stolpersteine in sprachlicher & rhetorischer Mittel

Nachfolgend werden drei übliche Stolpersteine in der wissenschaftlichen Sprache präsentiert, die negativen Einfluss auf Ihre rhetorischen Mittel & sprachliche Stilmittel haben.

Stolperstein rhetorische Mittel Nr. 1: Bandwurmsätze

„Vor dem Hintergrund der zwischen 1970 und 1978 aufgrund von Wanderungsgewinnen gegenüber dem Ausland gestiegenen Bevölkerungszahl bei gleichzeitig sinkendem Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren führt die Quantifizierung des Einflusses der Bevölkerungsentwicklung auf Veränderungen der allgemeinen Morbidität und der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen zu dem Ergebnis, dass in der jüngsten Vergangenheit die demografische Komponente im Vergleich zu anderen Faktoren kaum in entscheidendem Maße wirksam geworden sein dürfte“ (adaptiert von Krämer 2009: 99-100).

Mit Sicherheit haben Sie diesen Satz nur überflogen, nachdem Sie die ersten Worte zunächst noch aufmerksam gelesen haben. Würde man Sie fragen, könnten Sie nicht wiedergeben, was hier eigentlich gemeint ist, es sei denn, Sie lesen den Satz nochmals durch und müssten dabei mehrmals zurücklesen, richtig?

Natürlich fragen Sie sich vermutlich auch, ob dieses monströse Etwas dazu da ist, Sie zu quälen. Sicherlich werden Sie auch dieser Behauptung beipflichten: „Bis der Kern der Sache sichtbar wird, braucht man schon das erste Aspirin“ (Kruse 2009: 100).

Hoffentlich hat dies aber auch zu einer wichtigen Erkenntnis geführt: Lange und verschachtelte Sätze als rhetorische Mittel bzw. Stilmittel machen jeden Text schwer nachvollziehbar und führen jede logische Argumentation ad absurdum. Kurzum, in einer wissenschaftlichen Arbeit geht es darum, präzise und auf den Punkt zu argumentieren, und somit sind endlos lange, künstlich aufgeblähte Satzmonster kein Kompetenzbeweis.

Grundsätzlich gilt: „Ein Satz, ein Gedanke. Und: Die Hauptsache gehört in den Hauptsatz, Ergänzungen in den Nebensatz“ (Theisen 2013: 156). So schaffen Sie ein großes Maß an Klarheit und der Leser wird es Ihnen danken (vgl. hierzu auch Esselborn-Krumbiegel 2002: 160-62).

Tipp: Verwenden Sie kurze, leicht nachvollziehbare Sätze als rhetorische Mittel bzw. Stilmittel anstelle langer Schachtelsätze mit unklaren Bezügen. Sie sollten davon ausgehen, dass die meisten Leser weder die Zeit noch die Geduld aufbringen können, jeden Ihrer Sätze zweimal zu lesen. So verlieren Sie den Leser/die Leser und erreichen, dass diese „mit etwas Glück […] die Hälfte der Aussage verstanden [haben]“ (Krämer 2009: 101). Es ist also gründliches Korrekturlesen angebracht, um lange Sätze ausfindig zu machen und diese aufzuspalten, damit Ihre Leserschaft nicht nur mit etwas Glück versteht, was Sie kommunizieren wollen.

Stolperstein rhetorische Stilmittel Nr. 2: Doppelt gemoppelt hält (quält) besser

  • Zu vermeiden ist außerdem alles, was sich unter der Floskel „Warum einfach, wenn es auch umständlich geht“ subsumieren lässt. Dazu gehören lange Wörter, die an Bedeutung durch unnötige Ergänzungen nicht reicher werden, wie z. B. kriegerische Auseinandersetzung, Verwendungszweck, Verkehrsaufkommen, denn letztlich reden wir hier von Krieg, Zweck und Verkehr (vgl. Krämer 2009: 101).
  • Genauso können ausschmückende Adjektive im Zusammenhang eher bedeutungsarm sein, denn „dass Witwen trauern und dass Sieger strahlen, weiß man sowieso“, also weshalb dann von resümierender Zusammenfassung oder telefonische[m] Anruf sprechen statt schlicht von Zusammenfassung und Anruf (vgl. Krämer 2009: 104)?
  • Weiterhin gehören auch Verben mit überflüssigen Vorsilben in diese Rubrik, oder wie es Kornmeier so treffend sagt: „Aber warum sollten wir lediglich zeigen, ändern, mieten, speichern oder testen, wo wir doch auch aufzeigen, abändern, anmieten, abspeichern oder austesten können?“ (2013: 180).
Tipp: Besinnen Sie sich auf die Ökonomie der Sprache! Das heißt, lesen Sie Ihr Manuskript unter diesem Gesichtspunkt durch und streichen Sie alles, was nicht dringend für das Verständnis nötig ist beziehungsweise als Weltwissen vorausgesetzt werden kann. So erhöhen Sie spürbar die Qualität Ihrer rhetorischen Mittel bzw. Ihres Stilmittels. Ein Anruf wird für gewöhnlich weder mit einem Haartrockner noch mit einem Toaster getätigt, also muss er wohl telefonisch sein; somit gibt es keinen Grund, dies zu erwähnen, oder?

Stolperstein rhetorische Mittel & Stilmittel Nr. 3: Poetik und Füllwörter

Grundsätzlich muss man sich vor Augen halten, dass ein wissenschaftlicher Text in der Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Hausarbeit vor allem eins sein sollte: prägnant, somit unmissverständlich. Daher soll alles vermieden werden, das mehrdeutig, übertreibend oder poetisch ist (vgl. Rossig & Prätsch 2005: 142). Sie sollen nicht zeigen, dass in Ihnen ein zweiter Shakespeare steckt, sondern dass Sie klar formulieren können, ohne Füllwörter miteinzustreuen – so verbessern Sie stetig Ihrer Stilmittel bzw. rhetorischen Mittel!

Verzichten Sie auf unseriöse Wendungen wie „so sagt man“, „Es ist wohl logisch, dass …“ und Superlative wie z. B. „Ein unglaublich falscher Ansatz“, „Was sich somit als einzig richtiges Modell herausstellt“, abwertende Adverbien wie übrigens, irgendwie und Füllwörter wie z. B. sozusagen, natürlich, selbstverständlich (vgl. Karmasin & Ribing 2014: 38).

Es gibt genauso wenig einen unglaublich falschen Ansatz, wie es ein einzig richtiges Modell gibt, sondern verschiedene Ansätze und Modelle, die kontrovers diskutiert und deren Stärken und Schwächen beleuchtet werden, damit sie modifiziert werden können. Außerdem ist „in einer wissenschaftlichen Arbeit nichts selbstverständlich […]. Wenn doch, sollte es nicht geschrieben werden“ (Rossig & Prätsch 2005: 143).

Zu beachten: Vermeiden Sie in einer Bachelorarbeit oder Masterarbeit insbesondere alles, was Sie selbst unsicher in Bezug auf Ihre eigenen Aussagen wirken lässt. Schließlich haben Sie gut recherchiert und/oder eigene Daten erhoben, die Ihre Argumentation festigen. Somit besteht kein Grund, sich mit Vorsichtsfloskeln wie angeblich oder vermutlich usw. zu distanzieren und seine eigenen rhetorischen Mittel abzuwerten.

Hochexplosive sprachliche Stilmittel: ‚herstory‘ statt ‚history‘? (Er, sie oder doch man?)

Zuletzt noch ein Thema für rhetorische Mittel & sprachliche Stilmittel, das für Zündstoff sorgt, gerade deshalb darf es nicht übergangen werden: Gendermainstreaming (vgl. Karmasin & Ribing 2014) oder geschlechtergerechte Sprache (vgl. Theisen 2013). Welche geschlechtsneutrale Form nicht verwendet werden sollte, bringt Krämer unmissverständlich zum Ausdruck: „Modische Kunstwörter wie ‚StudentInnen‘, ‚BürgerInnen‘, oder ‚DozentInnen‘, mit dem modernen großen ‚I‘ in der Mitte, sind keine Hilfe; sie sind hässlich und hemmen außerdem den Lesefluss“ (2009: 113).

Theisen schlägt in die gleiche Kerbe und spricht sich gegen geschlechtergerechte Begriffe als Stilmittel aus, indem er sagt, dass „guter Stil und die Lesbarkeit eines Textes über die Qualität einer Arbeit [entscheiden] – dies wissen Frauen wie Männer gleichermaßen“ (2013: 159). Wer also diese Meinung nicht vertreten kann und einen Kompromiss finden möchte, dem eröffnen sich tatsächlich zwei Möglichkeiten. Karmasin & Ribing empfehlen entweder das Sichtbarmachen des Geschlechts, also Teilnehmerinnen und Teilnehmer oder das Neutralisieren des Geschlechts, beispielsweise Teilnehmende, Arbeitskräfte, Lehrende (vgl. 2014: 40-41). Für mehr Gleichberechtigung könnte man außerdem sorgen, indem man die weibliche der männlichen Form voranstellt, das bedeutet sie/er sagt anstelle von er/sie sagt.

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Fazit

  • Kurze Sätze und prägnante Formulierungen zeichnen gehobene rhetorische Mittel bzw. Stilmittel aus.
  • Wichtige Informationen sollten im Hauptsatz stehen, Zusätze im Nebensatz.
  • Die Verständlichkeit der rhetorischen Mittel & Stilmittel wird erhöht, wenn die Ökonomie der Sprache bedacht wird, das heißt, Doppelungen durch sinnverwandte Verben und ausschmückende Adjektive sind überflüssig.
  • Fachausdrücke und Abkürzungen können als sprachliches Stilmittel das Salz in der Suppe sein, aber sie müssen so sparsam wie möglich verwendet werden.
  • Modische Kunstwörter und Anglizismen, die nicht Teil des deutschen Wortschatzes sind, haben in einer wissenschaftlichen Arbeit als Stilmittel bzw. rhetorische Mittel nichts zu suchen: Es sollen klare Ergebnisse und wissenschaftliche Fakten präsentiert und nicht „die needs einer hippen audience“ befriedigt werden.

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Quellennachweise

Esselborn-Krumbiegel, Helga. 2002. Von der Idee zum Text – Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn: Ferdinand Schöningh.

Karmasin, Matthias & Rainer Ribing. 2014. Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. 8. Aufl. Wien: Facultas.

Kornmeier, Martin. 2013. Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht – für Bachelor, Master und Dissertation. 6. Aufl. Bern: Haupt.

Krämer, Walter. 2009. Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit? 3. Aufl. Frankfurt: Campus.

Kruse, Otto. 2007. Keine Angst vor dem leeren Blatt – Ohne Schreibblockaden durchs Studium. 12. Aufl. Frankfurt: Campus.

Rossig, Wolfram E. & Joachim Prätsch. 2005. Wissenschaftliche Arbeiten. 5. Aufl. Weyhe: PRINT-TEC.

Theisen, Manuel René. 2013. Wissenschaftliches Arbeiten – Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit. München: Franz Vahlen.

Wagner, Lothar. 2012. Die wissenschaftliche Abschlussarbeit – Ratgeber für effektive Arbeitsweise und inhaltliches Gestalten. 3. Aufl. Saarbrücken: Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften.

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