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ARGUMENTATION SCHREIBEN | Aufbau & Beispiele

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Argumentation schreiben | Aufbau & Beispiele

Wissenschaftliche Bedeutung & Definition: Argumentation

Wissenschaftlich argumentieren heißt, ein geschicktes Netz aus Argumenten zu weben, das die kontroverse Natur des Themas betont. Eine stichhaltige wissenschaftliche Argumentation setzt sich aus aufeinander aufbauenden Argumenten zusammen, die alle einer Grundstruktur folgen. Diese Struktur kann durch eine Waage symbolisiert werden. Der Sockel der Waage ist das Material (Sekundärliteratur, empirische Daten) und der Balken, der die Waagschalen trägt, ist die Methode, die zur Analyse des Materials verwendet wird.

Die beiden Waagschalen sind zum einen Hypothesen, also mögliche Antworten auf die Forschungsfrage, und zum anderen Belege, die diese Vermutungen stützen. Die Waage sollte sprichwörtlich in Balance sein, das heißt, Hypothesen sollen nicht in den Raum gestellt, sondern immer mit Belegen untermauert werden. Ein wichtiger Aspekt des wissenschaftlichen Argumentierens ist, auch die Gegenmeinung aufzuzeigen und diese anzuerkennen. Die Kunst liegt darin, mithilfe ausreichender (empirischer) Belege so überzeugend zu argumentieren, dass die Gegenmeinung entkräftet wird.

Prolog zum Schreiben einer Argumentation

Nun wechseln wir von der Vogelperspektive (roter Faden, etwas durch die Blume sagen, sprachliche Gestaltung), die sprichwörtlich über der gesamten Bachelorarbeit, Masterarbeit oder Hausarbeit schwebt, in die Froschperspektive während des Schreibens einer Argumentation.

Nicht vergessen: Lange, komplizierte Sätze und eine unüberschaubare Anzahl von Fußnoten tragen nicht zur Wissenschaftlichkeit des Textes bei, sondern das gekonnte wissenschaftliche Argumentieren!

Argumentieren in der Bachelorarbeit, aber wie?

Esselborn-Krumbiegel verweist auf das Waage-Modell, um den Aufbau der wissenschaftlichen Argumentation zu veranschaulichen (2002: 98-107). Sehen Sie sich also das Schaubild an (vgl. 2002: 98-99): Die Waage hat zwei Waagschalen (Hypothesen und Belege), einen Balken, der diese trägt (Methode), und einen Sockel, auf dem alles ruht (Material).

Waage-Modell-Aufbau-wissenschaftlicher-Argumentation

(adaptiert von Esselborn-Krumbiegel 2002: 99)

Eigenschaften des Materials für die Argumentation

  • Dient zur Beantwortung der Forschungsfrage
  • Ist die Basis, auf die sich die Arbeit stützt
  • Kann je nach Thema ausschließlich Sekundärliteratur
  • Kann je nach Thema und/oder es können empirische Daten sein

Prinzipiell kann Material für eine Argumentation alles sein, was zur Beantwortung der Forschungsfrage nötig ist, denn „in einigen Fachbereichen (Literaturwissenschaft, Rechtswissenschaft etc.) wird die Forschungsfrage mit einer Literaturauswertung zu beantworten sein, in anderen Fachbereichen ist eine empirische Untersuchung (Beobachtung, Befragung, Test, Experiment etc.) angebracht oder sogar vorgeschrieben“ (Karmasin & Ribing 2014: 82). Welche Art von Argumentation-Material benötigt wird, ist an die Absprache mit dem Betreuer gebunden.

Auch nützlich: Rhetorische Stilmittel für einen gehobenen Ausdruck

Tipp: Gute Vorarbeit erspart Ihnen hier viel Zeit und Kummer! Auch eine gute Absprache mit Ihrem Betreuer ist wichtig, um zu klären, wie sich die Bearbeitung des Themas für die Bachelorarbeit oder Hausarbeit gestalten soll (auch für Ihr Zeitmanagement, z. B. um ausreichend Zeit für empirische Datenerhebungen einzuplanen).

Die Materialsuche und -auswertung (im Fall einer Studie) beim Schreiben einer Argumentation ist ein wichtiger Prozess und es sollte hier ausreichend Zeit investiert werden. Sonst steht die Arbeit auf einem wackeligen Sockel, und das wollen Sie bestimmt nicht. Natürlich steht das Material im direkten Bezug zu den Hypothesen, denn diese „erheben nämlich den Anspruch, im Rahmen des von uns analysierten Materials zu gelten“ (Esselborn-Krumbiegel 2002: 99). So grenzt das Material auch die Möglichkeit der Verallgemeinerung der Ergebnisse ein beziehungsweise ist dies zusätzlich zu prüfen.

Zu beachten: Je sorgfältiger die Materialauswahl (vor allem bei Sekundärquellen), desto leichter geht der Schreibprozess von der Hand und desto stichhaltiger die Argumentation!

Die Methode der wissenschaftlichen Argumentation

  • Beschreibt das „Wie?“
  • Vorgehensweise: Analyse des Materials
  • Wie gehen Sie vor und warum?
  • Welche Art der Analyse soll das erwünschte Ergebnis bringen?

Als Nächstes folgt die Methode der Argumentation, die verwendet wird, um das Material zu analysieren; nicht ohne Grund ist sie der Balken, der Hypothesen und Belege trägt. „Unter Methode ist die Vorgehensweise zu verstehen, der Sie folgen, um zu Erkenntnissen zu gelangen.

Tipp: Da jedes einzelne Argument die Anwendung einer einheitlichen Methode darstellen soll, ist es wichtig, diese zunächst klar zu formulieren und immer als Maßstab anzusetzen.

„Die Historiker erschließen Quellen, die Archäologen machen Ausgrabungen, die Bauingenieure machen Festigkeitsprüfungen von Materialien“ (Kruse 2007: 131-32). Dabei ist es entscheidend, dass Sie die verwendete Methode beschreiben, also das „Wie“ der Materialauswertung begründen.

Egal ob sich die Bachelorarbeit oder Masterarbeit nur auf die Auswertung wissenschaftlicher Quellen erstreckt oder etwa die Analyse von nicht wissenschaftlichen Quellen, die Nutzung von Textkorpora, Interviews, Fragebogenerhebungen, die Gestaltung eines eigenen Experiments: Es muss immer klar sein, wie Sie vorgehen, denn die Methode wirkt sich auch auf die Ergebnisse aus (vgl. hierzu Kruse 2007: 132-34).

Zur Erinnerung: Die Beschreibung der Methode, welche in der gesamten Arbeit angewendet wird, ist auch Teil des „roten Fadens“, denn die Beschreibung der Vorgehensweise schafft „ein Verständnis für die logische Abfolge der einzelnen Kapitel“ (Winter 2005: 41).

Hypothesen der wissenschaftlichen Argumentation

  • Welche Ergebnisse erwarten Sie?
  • Aussagen formulieren, die Ihre Forschungsfrage beantworten könnten
  • Die Aussagen müssen allgemeingültig sein (z. B. auf eine größere Gruppe anwendbar).
  • Die Aussagen müssen widerlegbar sein, da es nur Vermutungen sind.
  • Ihre Arbeit dient dazu, die Hypothesen zu bestätigen.

Jetzt ist es so weit, einen Blick in die beiden Waagschalen beim Schreiben einer Argumentation zu werfen. Auf der einen Seite sind dies Hypothesen. Doch was versteht man darunter und wie bilde ich sie? Eigentlich sind Hypothesen im Kern nur eines:

„Antworten auf die Fragen, die implizit mit dem gewählten Thema aufgeworfen werden“ (Esselborn-Krumbiegel 2002: 101).

Das bedeutet schlicht, dass Sie eine Hypothese und oder auch mehrere Subhypothesen für die Argumentation aufstellen, die das Potenzial hat/haben, Ihre Forschungsfrage zu beantworten.

Auch nützlich: Richtige Quellenangabe im Literaturverzeichnis

Beispiel der Erstellung einer Hypothese beim Argumentieren

Kann eine Fremdsprache nur in jungen Jahren gut erlernt werden und wirkt sich steigendes Alter negativ auf den Lernprozess aus? Eine mögliche Hypothese wäre dann: „Je jünger man ist, wenn man eine Fremdsprache lernt, desto besser“ oder „Wenn man eine Fremdsprache als Erwachsener lernt, dann kann man keine muttersprachlichen Kompetenzen mehr erreichen.“

Jede Hypothese muss beim Argumentieren drei Kriterien erfüllen:

1. „Sie muss über einen Einzelfall hinausgehen, also allgemeingültig sein (All-Satz).

2. Sie muss als Konditionalsatz formuliert sein (‚wenn-dann‘ bzw. ‚je-desto‘).

3. Sie muss falsifizierbar (widerlegbar) sein“ (Karmasin & Ribing 2014: 88).

Das heißt, eine Hypothese kann durch Pro und Kontra-Argumente belegt, aber auch widerlegt werden und kann eine größere Personengruppe betreffen, welche man z. B. im Rahmen einer Befragung nach bestimmten Kriterien auswählen würde.

Bitte beachten: Keine wissenschaftliche Hypothese wäre demnach: Es gibt Kinder, die niemals weinen. Weder ist dieser Satz allgemeingültig noch widerlegbar, denn dann müsste man zeigen, dass alle Kinder dieser Welt einmal weinen, was realistisch unmöglich wäre (vgl. Karmasin & Ribing 204: 88).

Beweise für den Aufbau einer Argumentation

  • Halten die Waage in Balance
  • Auf jede Hypothese muss ein Beweis folgen
  • entweder: die Behauptung durch die Ergebnisse zitierter Studien belegen
  • oder die erhobenen Daten liefern neue Belege (und sind so auch eine Bereicherung für das Fachgebiet).

Um die aufgestellten Hypothesen mit Argumenten beweisen oder widerlegen zu können, braucht man eines: Belege/Beweise. Diese sollen sich mit den Hypothesen die Waage halten, konkret also muss jede Hypothese durch einen Beleg gestützt sein. Belege können natürlich verschiedener Natur sein, „im Falle einer Textinterpretation können es interpretierte Textbeispiele sein, im Falle einer historischen Arbeit analysiertes Quellenmaterial, im Falle einer soziologischen Feldstudie ausgewertete empirische Daten“ (Esselborn-Krumbiegel 2002: 103).

Die Waage funktioniert … durch das Zusammenwirken der Einzelbausteine! Das heißt, der Vorüberlegung eines möglichen Themas folgt die Suche nach Material, welches entstehende Hypothesen auf Grundlage der Forschungsfrage belegen kann.
Beispiel-Agrumentation-Aufbau-mit-Waage-Model

(adaptiert von Esselborn-Krumbiegel 2002: 105)

Die gewählte Methode beim Schreiben eines Arguments beeinflusst natürlich sowohl die Hypothesenbildung als auch gewonnene Belege (z. B. wenn als Methode ein Experiment gewählt wird, werden die Hypothesen im Rahmen möglicher Ergebnisse aufgestellt und dann mit den tatsächlichen Ergebnissen entweder bestätigt oder verworfen).

Karmasin & Ribing merken an, dass sich bei Bachelorarbeiten und auch Masterarbeiten anbietet, eine funktionale Analogie anzuwenden, das bedeutet die Anwendung „bekannte[r] theoretische[r] Ansätze, Modelle oder Mechanismen […] an einem speziellen und konkreten Fall“ (2014: 95). Die Methode ist demnach gestützt auf eine etablierte Theorie und es soll belegt werden, ob sie für einen anderen speziellen Fall ebenfalls gültig ist. „Ein Analogieschluss liegt bspw. vor, wenn in der Medizin Forschungsergebnisse von Tieren auf den Menschen übertragen werden“ (Stickel-Wolf & Wolf 2013: 214).

Tipp: Literaturverzeichnis erstellen in Word mit Anleitung

Zu beachten: Die Theorie muss zunächst vorgestellt werden, der Anwendungsbezug muss klar sein und zuletzt muss kritisch reflektiert werden, ob die Theorie geeignet war. Falls das nicht der Fall ist, muss auch dies begründet werden.

Quellenbezug beim Argumentieren: Wie man „das rohe Ei“ behandeln sollte

Ein weiterer wichtiger Punkt des Argumentierens ist: Wie beziehe ich wissenschaftliche Quellen mit ein, und vor allem wie behandele ich diese? Sicherlich fragen sich manche, ob es nicht geboten ist, nur jene Quellen zu zitieren, die sich mit den eigenen Ergebnissen decken. Es ist essenziell, Folgendes immer im Hinterkopf zu behalten:

Eine wissenschaftliche Arbeit lebt von Ihrer Fähigkeit, ein geschicktes Netz aus Argumenten zu weben, welches die kontroverse Natur des Themas betont (es ist nahezu unmöglich, nicht auf kontroverse Themen zu stoßen). Dies sollten Sie nicht als Hindernis, sondern als Chance sehen, dass Wissenschaft immer offen für Diskussion ist, und daher ist es ein Muss, auch anderslautende Meinungen abzubilden (vgl. Karmasin & Ribing 2014: 96).

Wichtig: Bei der Argumentation unbedingt die Kontroverse also solche abbilden und Gegenmeinungen nie sprichwörtlich „unter den Teppich kehren“!

Das setzt auch voraus, dass Sie sich bei der Beweisführung, sei es nun die Abbildung einer bekannten Theorie oder die Interpretation der Ergebnisse Ihrer Studie, immer auf mehr als nur eine Quelle stützen, und Sie die Literatur zu diesem Thema gut recherchiert haben. Also „nicht aus zu wenigen oder einseitig orientierten Quellen zitieren, sondern die Auswahl so […] treffen, dass das gesamte Spektrum der Literaturmeinung angemessen berücksichtigt wird“ (Brauner & Vollmer 2004: 93).

Tipp: Hier zahlt sich die Sorgfalt bei der Quellenauswahl aus. Sie können durch gekonntes Gegenüberstellen kontroverser Argumente zeigen, wo die stichhaltigeren Belege vorliegen. Je mehr unterschiedliche Quellen Sie finden, um dies zu stützen, desto überzeugender wirken Sie.

Auch die Auswahl der Quellen/Studien, die Sie als Referenz zitieren möchten, sollte mit einem kritischen Auge erfolgen. Lesen Sie aufmerksam, hinterfragen Sie den Text und dessen Relevanz und wählen Sie nur jene Quellen, die es Ihnen ermöglichen, sowohl Meinung als auch Gegenmeinung beim Argumentieren überzeugend darzustellen. Oder wie L. Borghardt es treffend formuliert: „Begegnen Sie den Texten von sog. Marketing-, Literatur- und anderen -päpsten ebenso skeptisch wie einem Vorwerk-Verkäufer mit Spiegelbrille!“ (zitiert in Kornmeier 2013: 132).

Auch nützlich: Eidesstattlich Erklärung Muster & Vorlagen

Fazit

Das Schreiben einer Argumentation in der Hausarbeit, Bachelorarbeit oder Masterarbeit kann durch eine Waage visualisiert werden:

  • Der Sockel, auf dem alles ruht, ist das Material (Sekundärliteratur, empirische Daten).
  • Der Balken, der die Waagschalen trägt, ist die Methode: Wie wird das Material analysiert?
  • Die beiden Waagschalen sind 1) Hypothesen, also mögliche Antworten (Vermutungen!) auf die Forschungsfrage, und 2) Belege, welche die Vermutungen (Hypothesen) in begründete Tatsachen verwandeln sollen.
  • Hypothesen und Belege sollten sich die Waage halten: Jede Vermutung sollte nicht nur in den Raum gestellt, sondern begründet werden.

Zu vermeiden: Wissenschaftliche Quellen, die zur Beweisführung dienen, sollten nicht „wie ein rohes Ei behandelt“ und vorsichtig nur jene zitiert werden, welche sich mit der eigenen Meinung decken. Der wissenschaftliche Diskurs ist offen für die Kontroverse und das sollte sich auch in Ihrer Arbeit widerspiegeln.

Aber: Auch Quellen und deren Relevanz sollten hinterfragt und einander gegenübergestellt werden! Also nicht nur die Gedankengänge und Ergebnisse einiger weniger präsentieren, sondern unter Einbezug verschiedener Quellen die Argumentation untermauern.

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Quellennachweise

Brauner, Detlef Jürgen & Hans-Ulrich Vollmer. 2004. Erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten – Seminararbeit Diplomarbeit Doktorarbeit. Sternenfels: Verlag Wissenschaft und Praxis.

Esselborn-Krumbiegel, Helga. 2002. Von der Idee zum Text – Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Schreiben. Paderborn: Ferdinand Schöningh.

Karmasin, Matthias & Rainer Ribing. 2014. Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. 8. Aufl. Wien: Facultas.

Kornmeier, Martin. 2013. Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht – für Bachelor, Master und Dissertation. 6. Aufl. Bern: Haupt.

Kruse, Otto. 2007. Keine Angst vor dem leeren Blatt – Ohne Schreibblockaden durchs Studium. 12. Aufl. Frankfurt: Campus.

Stickel-Wolf, Christine & Joachim Wolf. 2013. Wissenschaftliches Arbeiten und Lerntechniken – Erfolgreich studieren – gewusst wie! 7. Aufl. Wiesbaden: Springer Gabler.

Winter, Wolfgang. 2005. Wissenschaftliche Arbeiten schreiben. 2. Aufl. Frankfurt: Redline Wirtschaft.

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