Qualitative Forschung – Methoden, Übersicht & Ablauf

07.03.18 Forschungsarten Lesedauer: 13min

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Qualitative Forschung ist eine Methodik, die darauf abzielt, ein tiefes Verständnis von Phänomenen, sozialen Interaktionen und menschlichem Verhalten zu gewinnen. Durch den Einsatz verschiedener Techniken wie Interviews und Textanalysen ermöglicht qualitative Forschung einen nuancierten Einblick in komplexe Themen und fördert die Entwicklung von Theorien und Hypothesen. In diesem Beitrag erfährst du mehr über diese Forschungsarten und die Grundsätze der qualitativen Forschung.

Qualitative Forschung „einfach erklärt“

Qualitative Forschung bezeichnet eine Forschungsart, bei der es darum geht, ein tiefgreifendes Verständnis über Erfahrungen, Meinungen und soziale Interaktionen von Menschen zu gewinnen, indem man individuelle Perspektiven und Kontexte betrachtet und nicht-numerische Daten analysiert. Es geht weniger um Zahlen und Statistiken, sondern um das Eintauchen in die Welt der Teilnehmenden, um komplexe Themen besser zu verstehen.

Definition: Qualitative Forschung

Qualitative Forschung ist die Erhebung nicht-standardisierter Daten und deren Analyse mit speziellen, nicht statistischen Verfahren. Allerdings können auch standardisierte Daten in eine qualitative Forschung einfließen. Das passiert z. B. bei Fallstudien, bei denen mehrere Fälle aus unterschiedlicher Perspektive betrachtet werden oder bei Mixed Methods, einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden.

Nicht-standardisierte Daten für eine qualitative Forschung können durch qualitative Forschungsmethoden wie zum Beispiel aus qualitativen Interviews, aus einer (teilnehmenden) Beobachtung oder aus der Analyse von Dokumenten (z. B. Tagebücher, Videos und Bildern) erhoben werden.

Wichtigste Fakten der qualitativen Forschung

In der folgenden Tabelle findest du die wichtigsten Fakten zur qualitativen Forschung:

Fakten Erklärung:
Was?
  • Erhebung nicht-standardisierter Daten
  • Analyse mit speziellen, nicht statistischen Verfahren.
Warum?
  • Verständnis von komplexen Zusammenhängen
  • Geringes Vorwissen zu einem Sachverhalt vorhanden
  • Gewinnung tiefergehender Einblicke zu einem Forschungsgegenstand
Ablauf?
  1. Auswahl der qualitativen Forschungsmethode
  2. Auswahl der Personen
  3. Datenerhebung
  4. Datenanalyse in der qualitativen Forschung
Qualitative Methoden
  • Interview
  • Gruppendiskussion
  • Beobachtung
  • Qualitative Inhaltsanalyse
  • Experiment
  • Einzelfallstudie
Vorteile der qualitativen Forschung
  • Generieren von neuem Wissen
  • Kleine Stichprobe ausreichend
  • Subjektive, detaillierte, anschauliche Antworten

Merkmale qualitativer Forschung

Auf die folgenden Prinzipien bzw. Gütekriterien qualitativer Forschung solltest du unbedingt achten:

Prinzip der Transparenz

Unvoreingenommenheit gegenüber des Wissens des Forschungsfeldes im gesamten Prozessverlauf der qualitativen Forschung. Dies schließt auch einen bewussten Verzicht auf Vorurteile ein. Erst diese Transparenz ermöglicht neue Entdeckungen in deiner qualitativen Forschung.

Prinzip der Intersubjektivität

Intersubjektivität bezieht sich auf die Möglichkeit, dass andere Forschende ähnliche Ergebnisse und Interpretationen aus den gleichen Daten oder Informationen ableiten können. Es bedeutet, dass die Forschungsergebnisse objektivierbar und nachprüfbar sind.

Prinzip der Reichweite

Die Reichweite bezieht sich auf die Anwendbarkeit und Übertragbarkeit der Forschungsergebnisse auf andere Kontexte, Populationen oder Situationen. Es beinhaltet die Frage, inwieweit die Erkenntnisse relevant und nützlich für andere Bereiche oder Settings sind.

Weitere Prinzipien: 

  • Vertrauenswürdigkeit oder Validität
  • Übertragbarkeit des Forschungsaufbaus
  • Nachvollziehbarkeit der Forschungsergebnisse
  • Bestätigbarkeit oder Objektivität der Forschungsergebnisse
  • Anwendbarkeit des Forschungsaufbaus
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Qualitative Forschung vs. quantitative Forschung

Wie unterscheiden sich die qualitative und die quantitative Forschung? Einen zentralen Unterschied zwischen qualitativer und quantitativer Forschung veranschaulicht die folgende Grafik.

Qualitative Forschung vs. quantitative Forschung

Die Unterschiede zwischen der qualitativen und der quantitativen Forschung liegen primär in der Art des Datenmaterials und wie dieses gewonnen wird. Qualitative Forschung nutzt auch qualitative Forschungsmethoden und hat demnach einen anderen Forschungsgegenstand als Grundlage und greift sogar auf ein anderes Wissenschaftsverständnis zurück.

Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede zwischen der qualitativen und der quantitativen Forschung:

Qualitative Forschung Quantitative Forschung
Versuchsanordnung
  • Nicht-experimentell
  • Experimentell
Schlussverfahren
  • Deduktiv
  • Vom Allgemeinen ins Spezielle
  • Hypothesenentwickelnd
  • Induktiv
  • Vom Speziellen ins Allgemeine
  • Hypothesenüberprüfend
Umfang
  • Ganzheitlich (holistisch)
  • Einen Teil betreffend (partikular)
Erkenntnismodus
  • Erklärend
  • Beschreibend (deskriptiv)
  • Verstehend
  • Messend
Ziel
  • Detaillierte Informationen
  • Theorien/Hypothesen entwickeln
  • Messbare, statistische Daten
  • Theorien/Hypothesen überprüfen
Inhalt
  • Offener Forschungsprozess
  • Kein festgelegter Fokus
  • Prüfung vorab festgelegter Hypothesen
  • Vorab festgelegter Fokus
Forschungsgegenstand
  • Untersuchung eines Einzelfalls
  • Untersuchung einer Stichprobe

Datenanalyse in der qualitativen Forschung

Nicht nur die qualitativen Forschungsmethoden unterscheiden sich von denen der quantitativen, sondern auch die Datenanalyse erfolgt bei einer qualitativen Forschung in einer bestimmten Art und Weise und unterscheidet sich damit zentral von der Datenanalyse der quantitativen Forschung.

Datenanalyse in der qualitativen Forschung Datenanalyse in der quantitativen Forschung
In der Regel: Nicht-numerisch und explikativ In der Regel: Numerisch und reduktiv
Schriftsprachliche Ergebnisse Statistische Ergebnisse
Auswertung durch schriftliche Analysen Auswertung durch Verfahren der Statistik

Eine qualitative Forschung und eine quantitative Forschung für deine Bachelorarbeit oder Masterarbeit stellen jedoch keinen strikten Gegensatz dar. Auch standardisierte Daten können in eine qualitative Forschung einfließen, dies ist insbesondere bei Fallstudien möglich.

Gründe für qualitative Forschungsmethoden

Gründe für die Wahl einer qualitativen Forschung können vielseitig sein:

  • Bei geringem Vorwissen bezüglich der Bedeutung, Ursachen, Einfluss oder Auswirkungen eines Forschungsgegenstandes, ist es häufig sinnvoll, eine qualitative Forschung (Vorstudie) zu einer zukünftig folgenden quantitativen Studie zu machen.
  • Häufig benötigt eine quantitative Forschung zur Vorbereitung, Ergänzung oder Vertiefung eine qualitative Forschung. Die Ergebnisse der qualitativen Forschung bilden dann die Grundlage der quantitativen Forschung, die dann darauf abzielt, die Ergebnisse zu bestätigen.
  • Auch bei komplexen Zusammenhängen, die nur schwer statistisch zu erfassen sind, bietet sich die qualitative Forschung an. Durch das Ziel tiefergehende Ergebnisse zu erlangen, bietet die qualitative Forschung zudem die Möglichkeit, weitere Erklärungen des Sachverhalts zu generieren.
  • Wenn nur eine kleine Anzahl an fragbaren Personen zur Verfügung steht oder die infrage kommende Personengruppe schwer erreichbar ist, ist eine qualitative Forschung ideal, denn dabei behandelst du Einzelfälle und benötigst nur eine geringe Anzahl an Personen.
  • Zudem sollte die Form der qualitativen Forschung gewählt werden, wenn es sich bei dem Forschungsgegenstand um ein heikles oder tabuisiertes Thema handelt. Mit einer qualitativen Forschung kann so die Gefahr der sozialen Erwünschtheit umgangen werden.

Vorteile & Nachteile der qualitativen Forschung

Qualitative Forschung hat jedoch neben zahlreichen Vorteilen auch Nachteile, welche in der folgenden Tabelle aufgezählt werden:

Vorteile einer qualitativen Forschung Nachteile einer qualitativen Forschung
Gewinn neues Wissens Objektivität ist bei der qualitativen Forschung geringer
Detaillierte und genaue Analysen Datenauswertung und Datenanalyse sind sehr komplex
Subjektive, anschauliche und originelle Ergebnisse Höherer Zeitaufwand
Größerer Spielraum bei Darstellung der Ergebnisse Verallgemeinerung auf die breite Masse kaum möglich

Beachte: Wenn du dich zwischen der qualitativen Forschung und der quantitativen Forschung entscheiden musst, dann entscheide nicht nach deiner persönlichen Vorliebe, sondern richte dich nach dem aktuellen Wissensstand zu dem Forschungsthema.

Ist das Forschungsthema noch weitgehend unerforscht, solltest du dich für eine qualitative Forschung entscheiden. Soll jedoch eine schon vorhandene Theorie oder Hypothese geprüft werden, eignet sich die quantitative Forschung besser.

Überblick der qualitativen Forschungsmethoden

Wenn du dich dazu entschieden hast, eine qualitative Forschung durchzuführen, dann musst du dich zunächst für eine qualitative Forschungsmethode entscheiden. Es stehen dir eine Reihe an verschiedenen qualitativen Forschungsmethoden zur Auswahl.

Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl von qualitativen Forschungsarten und verdeutlicht außerdem, wann welche qualitative Methode am besten zum Einsatz kommen sollte.

Qualitative Forschungsmethode Geeignet für
Interviews
  • Erfassung von Fachwissen
  • Expertenmeinungen
  • Tiefgehendes Verständnis bestimmter Themen
Qualitative Inhaltsanalyse
  • Identifizierung von Mustern
  • Themen und Bedeutungen in Texten
  • Analyse von Bildern oder Tönen
Nutzwertanalyse
  • Ermittlung der Vor- und Nachteile verschiedener Optionen
  • Bewertung von Alternativen
Fallstudie
  • Detailliertes Verständnis eines spezifischen Phänomens
  • Erkundung von Zusammenhängen

Dabei muss sich die Wahl deiner Forschungsmethode immer an deinem Forschungsziel orientieren. Welche Forschungsfragen mit den einzelnen Methoden beispielsweise beantwortet werden können, findest du hier:

Experteninterviews:

  • Wie bewerten Experten die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität in bestimmten Ökosystemen?

Qualitative Inhaltsanalyse:

  • Welche Themen und Bedeutungen lassen sich in den Tagebucheinträgen von Kriegsveteranen identifizieren?

Nutzwertanalyse:

  • Welche Faktoren beeinflussen die Entscheidung von Verbrauchern, zwischen traditionellen und nachhaltigen Produkten zu wählen?

Fallstudie:

  • Wie hat sich die Implementierung einer flexiblen Arbeitszeitregelung auf die Zufridenheit und Produktivität der Mitarbeiter in Unternehmen XY ausgewirkt?

Gruppendiskussion:

  • Welche Einstellungen und Meinungen haben Jugendliche zu Social Media und wie beeinflussen diese ihre Nutzungsgewohnheiten und das Selbstbild?

Die Interviewformen im Überblick

Das Interview ist eine häufig gewählte Methode, um neue Daten für die qualitative Forschung zu sammeln. Diese können entweder Teil der induktiven Forschung sein, indem versucht wird eine Hypothese aufzustellen, oder Teil der deduktiven Forschung, um eine vorhandene Hypothese zu bestätigen.

Weiter differenziert wird dabei zwischen verschiedenen Interviewformen, wie beispielsweise:

Leitfadeninterview:
Beim Leitfadeninterview werden vorab festgelegte Fragen oder Themen verwendet, um die Gespräche mit den Teilnehmenden zu strukturieren. Der Interviewer hat entweder einen festen Interviewleitfaden, einen groben Leitfaden für ein semistrukturiertes Interview, oder keinen Leitfaden für ein unstrukturiertes Interview.

Experteninterview:
Das Experteninterview konzentriert sich auf die Befragung von Personen, die über spezifisches Fachwissen oder Erfahrungen in einem bestimmten Bereich verfügen. Es zielt darauf ab, Expertenmeinungen, -perspektiven und -wissen zu einem bestimmten Thema zu sammeln.

Problemzentriertes Interview:
Das problemzentrierte Interview konzentriert sich auf bestimmte Probleme oder Herausforderungen, mit denen die Teilnehmenden konfrontiert sind. Es zielt darauf ab, detaillierte Informationen über die Probleme, die Ursachen und die Bewältigungsstrategien zu erhalten.

Narratives Interview:
Das narrative Interview zielt darauf ab, die individuellen Geschichten und Erfahrungen der Teilnehmenden zu erfassen. Es ermöglicht den Teilnehmenden, ihre Erzählungen und Erlebnisse in ihrem eigenen Wortlaut darzustellen und liefert Einblicke in ihre Lebenserfahrungen und subjektiven Perspektiven.

Gruppendiskussion:
Bei einer Gruppendiskussion kommen mehrere Personen zusammen, um über ein bestimmtes Thema zu diskutieren. Es ermöglicht den Teilnehmenden, ihre Meinungen, Einstellungen und Perspektiven auszutauschen und kann zu einem besseren Verständnis der sozialen Dynamiken und Interaktionen in der Gruppe führen.

Tipp: Das Interview gilt als äußerst effektive qualitative Forschungsmethode und wird daher vielfach gewählt. Wenn das Forschungsthema sich jedoch auf kollektive Einstellungen, Ideologien oder Vorurteile bezieht oder auf eine andere Weise sehr stark in soziale Zusammenhänge eingebunden ist, solltest du darüber nachdenken, die qualitative Methode der Gruppendiskussion zu wählen.

Weiterhin gibt es noch die Möglichkeit der Beobachtung. Dabei musst du zwischen der teilnehmenden Beobachtung und der nicht teilnehmenden Beobachtung unterscheiden. Mit einer teilnehmenden Beobachtung will der Forscher eine größtmögliche Nähe zu seinem Gegenstand erreichen und die Innenperspektive der Alltagssituation erschließen. Die nicht teilnehmende Beobachtung bietet den Vorteil, die Situation von außen betrachten zu können und die gesamte Situation besser im Blick zu behalten.

Eine Beobachtung solltest du dann durchführen, wenn dein Forschungsgegenstand

  • in sozialen Situationen eingebettet ist,
  • durch bloße Fragen schwer beantwortbar ist,
  • erforschenden/explorativen Charakter hat.
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Typischer Ablauf in der qualitativen Forschung

Qualitative Forschung - Ablauf

Die oben stehende Grafik zeigt eine Strategie zur qualitativen Forschung als zirkulären Prozess. Der Verlauf der qualitativen Forschung sollte sich auf die vier wesentlichen Schritte beziehen, um zu einer Theorie-Entwicklung aus der qualitativen Forschung, führen zu können:

  1. Auswahl des Verfahrens
  2. Auswahl der Personen
  3. Datenerhebung
  4. Datenauswertung

1. Auswahl des Verfahrens

Qualitative Forschung - Vorgehen

Für die Auswahl des Verfahrens haben wir dir oben bereits Informationen zur Verfügung gestellt, welche dir helfen können. Um dich ganz sicher für die richtige Methode entscheiden zu können, gibt es hier erneut paar Tipps:

  1. Kläre deine Forschungsfrage
    Stelle sicher, dass du eine klare Forschungsfrage formuliert hast, die du beantworten möchtest.
  2. Prüfe die Art der Informationen, die du benötigst
    Überlege, welche Art von Daten du sammeln möchtest. Planst du induktiv oder deduktiv vorzugehen.
  3. Berücksichtige den Forschungskontext
    Gibt es Einschränkungen oder Besonderheiten, die berücksichtigt werden müssen? Wie sieht die Zugänglichkeit zu den Teilnehmenden oder den erforderlichen Ressourcen aus?
  4. Informiere dich über die verschiedenen Methoden
    Mache dich mit den verschiedenen qualitativen Forschungsmethoden vertraut, wie Interviews, Beobachtungen, Fallstudien, Inhaltsanalysen usw.
  5. Prüfe die Passung zur Forschungsfrage
    Welche Methode ermöglicht es dir, die gewünschten Informationen zu erhalten und deine Forschungsziele zu erreichen?
  6. Denke an ethische und praktische Einschränkungen
    Berücksichtige den Schutz der Teilnehmenden und die Einhaltung von Forschungsethikrichtlinien, sowie den verfügbaren Zeitrahmen, das verfügbare Budget und das Ausmaß der benötigten Ressourcen.
  7. Konsultiere, Fachliteratur oder Experten
    Ziehe Fachliteratur oder Experten auf dem Gebiet qualitativer Forschung hinzu, um weitere Informationen und Empfehlungen zu erhalten.

2. Auswahl der Teilnehmer

Für die Auswahl der Personen oder einer Gruppe, die du für deine qualitative Forschung interviewen oder beobachten willst, wählst du eine Stichprobe aus oder einen Experten auf dem Fachgebiet.

Qualitative Forschung - Stichprobe

Um Teilnehmende für ein Interview auszuwählen, kannst du folgende Schritte beachten:

  1. Identifiziere deine Zielgruppe
    Überlege, welche Personen das Wissen haben, um deine Forschungsfrage zu beantworten.
  2. Achte auf Relevanz
    Stelle sicher, dass die ausgewählten Teilnehmenden tatsächlich relevante Einblicke liefern können.
  3. Berücksichtige Vielfalt
    Wähle Teilnehmende mit unterschiedlichem Hintergrund, um verschiedene Perspektiven einzubeziehen.
  4. Denke an Zugänglichkeit
    Überlege, ob du die Teilnehmenden leicht erreichen kannst und ob genügend Zeit zur Verfügung steht.
  5. Beachte ethische Aspekte
    Informiere die Teilnehmenden über den Zweck der Forschung und schütze ihre Privatsphäre.
  6. Nutze geeignete Sampling-Methoden
    Wähle eine Methode, um gezielt kompetente und relevante Teilnehmende auszuwählen.

Die Auswahl der Teilnehmenden erfordert entsprechende Sorgfalt, um relevante Informationen für deine Forschungsfrage und dein Forschungsziel zu erhalten.

Achtung: Im Vergleich zur zeitaufwendigen Datenanalyse, geht das Datenerheben relativ schnell. Deshalb der Tipp: Wähle deine Stichprobe nicht zu groß, vertiefe lieber die Beobachtung oder die Gespräche mit den einzelnen Personen.

3. Datenerhebung

Unter der Datenerhebung wird das Durchführen der Interviews, der Gruppendiskussionen bzw. der Beobachtung verstanden. Diese kann je nach Methode unterschiedlich ausfallen:

Interviews:
Qualitative Interviews sind strukturierte oder semistrukturierte Gespräche mit den Teilnehmenden. Es können Einzelinterviews oder Gruppeninterviews (wie Fokusgruppen) durchgeführt werden. Die Fragen können vorher festgelegt sein, aber es gibt auch Raum für flexible Nachfragen und das Erkunden neuer Themen. Beachte, dass du vielleicht eine Einwilligungserklärung für das Interview benötigst.

Beobachtungen:
Bei den Formen der Beobachtung werden Teilnehmende in einer natürlichen Umgebung beobachtet, entweder persönlich oder durch Aufzeichnung von Videomaterial. Diese Methode ermöglicht es, Verhaltensweisen, Interaktionen und Kontexte zu studieren und das Verständnis der Situation zu vertiefen.

Dokumentenanalyse:
Diese Methode beinhaltet die Untersuchung von schriftlichen, visuellen oder auditiven Materialien wie Briefen, Tagebüchern, Fotos, Filmen oder Aufnahmen. Durch die Analyse dieser Dokumente können Muster, Themen und Bedeutungen identifiziert werden.

Teilnehmende Beobachtung:
Bei der teilnehmenden Beobachtung nimmt der Forschende aktiv an der Situation oder Gruppe teil, die er untersucht. Dies ermöglicht ein vertieftes Verständnis der sozialen Dynamiken und Interaktionen aus erster Hand.

Reflexive Notizen und Feldnotizen:
Während der Datenerhebung werden reflexive Notizen und Feldnotizen angefertigt, um wichtige Beobachtungen, Gedanken und Reflexionen des Forschenden festzuhalten. Diese Notizen können zur späteren Analyse und Interpretation der Daten herangezogen werden.

Audio- oder Videoaufnahmen:
Durch die Aufzeichnung von Interviews oder Beobachtungen auf Audio- oder Videogeräten können Details und Nuancen der Daten erhalten bleiben. Dies ermöglicht eine spätere Überprüfung und Analyse der Informationen.

Nach dieser Datenerhebung folgt in der qualitativen Forschung nun das Verschriftlichen der aufgenommenen Gespräche oder Gruppendiskussionen. Dies nennt man Transkription. Die Transkription kann entweder wörtlich, nicht wörtlich oder kommentiert erfolgen, hierbei solltest du die Transkriptionsregeln beachten. Je nach Forschungsfrage und Anliegen deiner qualitativen Forschung ist manchmal auch nur ein zusammenfassendes Protokoll ausreichend.

Tipp: Es gibt viele hilfreiche Softwares für die Transkription von Datenmaterial, dass du aufgenommen hast. Der ohnehin sehr zeitaufwendige Teil der qualitativen Forschung kann so erheblich erleichtert werden.

4. Datenanalyse

Der Schritt der Datenanalyse erfolgt nach dem Beenden der Transkription. Dabei bedeutet Datenanalyse so viel, wie die Aussagen zwischen den Zeilen des Gesprochenen herauszuarbeiten. Die Datenanalyse unterscheidet sich je nach Methode. Bei der Experteninterview-Auswertung sind die groben Schritte beispielsweise:

  1. Transkription
  2. Kodierung
  3. Kategorisierung
  4. Analyse und Interpretation
  5. Reflexivität und Validität
  6. Berichterstattung
Wichtig: Ein häufiger Fehler in der qualitativen Forschung ist eine zu oberflächliche und einfache Auswertung bei umfangreicher Datenerhebung. Gegen eine umfangreiche Datenerhebung ist nichts Negatives einzuwenden, jedoch sollte dann auch die Auswertung vielschichtig und tiefgehend sein.

Qualitative Forschung innerhalb der Mixed Methods

Da sowohl die qualitative Forschung, als auch die quantitative Forschung jeweils Vor- und Nachteile aufweisen, wird heute eine Kombination aus beiden Formen, sogenannte Mixed Methods (auch als Methodentriangulation oder Mehr-Methodenansatz bezeichnet), immer beliebter.

Eine Kombination aus qualitativer Forschung und quantitativer Forschung kann die Schwächen beider Forschungsmethoden eliminieren.

Beispiel für die Verwendung von Mixed Methods

  • Im Rahmen einer empirischen Forschung wird häufig zur Hypothesenformulierung zunächst eine qualitative Forschung durchgeführt, um dann anschließend eine quantitative Forschung anzuschließen, welche die formulierten Hypothesen überprüfen soll.
  • Eine Kombination aus Befragung (quantitative Forschung), Dokumentenanalyse und Beobachtung (qualitative Forschung) ist auch ein häufig gewählter Mehr-Methodenansatz.

Fazit

Zuletzt haben wir dir die wichtigsten Fakten zur qualitativen Forschung zusammengefasst.

  • Qualitative Forschung unterscheidet sich von der quantitativen Forschung u. a. im Wissenschaftsverständnis, in der Untersuchungsanordnung, im Erkenntnismodus, im Analyseverfahren, in der verwendeten qualitativen Forschungsmethode und im gewonnenen Datenmaterial.
  • Eine strikte Trennung der qualitativen Forschung von der quantitativen Forschung ist nicht immer möglich. Manche Daten können sowohl quantitativ, als auch qualitativ ausgewertet werden, unabhängig, ob diese durch eine qualitative Methode erhoben wurden oder nicht.
  • Für eine qualitative Forschung solltest du dich dann entscheiden, wenn du möglichst tiefe Erkenntnisse über deinen Forschungsgegenstand gewinnen möchtest und du zu Beginn der qualitativen Forschung nur geringes Vorwissen hast.
  • Damit die Vorteile der qualitativen Forschung sowie der quantitativen Forschung genutzt werden können, kannst du dich für eine Kombination aus beiden Forschungstypen entscheiden.
  • Die Verwendung einer Methodenkombination in einer qualitativen Forschung kann sehr zeitaufwendig sein. Spreche über so ein Vorhaben auf jeden Fall vorher mit dem Betreuer deines Forschungsvorhabens.
  • Die am häufigsten gewählten qualitativen Forschungsmethoden sind das Interview, die Gruppendiskussion oder eine (teilnehmende) Beobachtung. Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere Möglichkeiten, wie z.B. eine qualitative Inhaltsanalyse, ein qualitatives Experiment oder eine Einzelfallstudie.

Häufig gestellte Fragen

Die qualitative Forschung eignet sich, um nicht standardisierte Daten zu erheben. Dieses Vorgehen eignet sich besonders bei wissenschaftlichen Arbeiten, wo keine Zahlen von Interesse sind, sondern Meinungen, Motive und Einstellungen untersucht werden. Diese Daten werden anschließend interpretiert.

Bei qualitativer Forschung werden offene Methoden gewählt, die dir detaillierte Informationen liefern. Das bietet den Vorteil, dass man weniger strukturiert vorgeht als bei quantitativer Forschung. Dieses Vorgehen eignet sich besonders, um nach Meinungen für seine wissenschaftliche Arbeit zu erfragen.

Bei der qualitativen Forschung werden Methoden gewählt, um detaillierte Informationen zu erheben. Dafür sind besonders Experteninterviews geeignet. Außerdem können Gruppendiskussionen geführt oder eine Fallstudie erstellt werden.

Ob sich qualitative Forschung eignet, ist abhängig von deiner Forschungsfrage und den Ergebnissen, die du erzielen willst. Wenn es dir darum geht, Zusammenhänge zwischen zwei Sachverhalten zu erfassen, empfiehlt sich eher die quantitative Forschung.

In der qualitativen Forschung werden Fragen verwendet, die Daten erfassen, welche Sachverhalte beschreiben, anstatt sie anhand von Daten zu bewerten. Dafür wird ein Fragebogen erstellt, welcher offene Fragen enthält. Der Vorteil ist, dass die Befragungen weniger strukturiert ablaufen und man dadurch die Denkweise und Motivation der Befragten für seine Bachelorarbeit erkennt.