Operationalisierung – Schritt-für-Schritt erklärt!

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Operationalisierung

Mit der Operationalisierung legst du den Grundstein für deine statistische Datenerhebung und Auswertung. Die theoretischen Begriffe deiner Forschungsfrage werden mithilfe der Operationalisierung messbar gemacht. In unserem Blogbeitrag erfährst du alles zum Thema Operationalisierung.

Häufig gestellte Fragen

Im Rahmen der Operationalisierung werden theoretische Begriffe in empirisch messbare Merkmale umgewandelt und damit in die Sprache der Statistik übersetzt.

In quantitativen Sozialwissenschaften wie der Psychologie oder Soziologie wird Operationalisierung benötigt. In der Psychologie wird häufig mit theoretischen Konstrukten wie Intelligenz, Kreativität oder Gerechtigkeit gearbeitet und diese Konstrukte müssen beobachtbar und messbar gemacht werden.

Im Prinzip ist das Werkzeug für jede Entscheidungsfindung einsetzbar. Bei zu geringer Vorlaufzeit oder nur wenigen Parametern wird der Nutzwert der Analyse ineffizient.

In einem ersten Schritt werden theoretische Begriffe im Rahmen der Operationalisierung in Variablen umgewandelt. In einem zweiten Schritt legt man Indikatoren für diese Variablen fest und anschließend werden die Merkmalsausprägungen dieser Indikatoren bestimmt.

Ziele werden in Hinblick auf Inhalt, Ausmaß und Zielerreichung messbar gemacht und mit Kennzahlen unterlegt. Mithilfe von Operationalisierung wird der Stand der Zielerreichung kontrolliert und Zielvorgaben werden in die Praxis umgesetzt.

Um theoretische Begriffe wie beispielsweise „Geschlecht“ und „visuell-räumliche Fähigkeiten“ in die Sprache der Statistik umzuwandeln, muss man sie zunächst in Merkmale bzw. Variablen umwandeln. Im Rahmen einer umfangreichen Literaturrecherche erfährst du, welche Variablen das sind.

Definition: Operationalisierung

Im Mittelpunkt der Operationalisierung steht das Bedürfnis, theoretische Begriffe wie beispielsweise „sozialer Status“ oder „Bildungserfolg“ empirisch zu erfassen bzw. messbar zu machen. Der theoretische Begriff „sozialer Status“ ist jedem geläufig, doch wie übersetzt man diesen Begriff in die Sprache der Wissenschaft? Welcher Variable entspricht dieser Begriff? Was bedeutet es, den „sozialen Status“ im Zuge von Operationalisierung messbar zu machen?

Für theoretische Konstrukte lassen sich Merkmale in verschiedenen Ausprägungen ermitteln. Im Fall „sozialer Status“ wären das beispielsweise Beruf, Einkommen und Bildung. Im Rahmen der Operationalisierung überlegst du dir also, welche Variablen sich für den jeweiligen Begriff benennen lassen und welche man davon in seine Untersuchung mit aufnehmen möchte. In einem nächsten Schritt muss man der Frage nachgehen, durch welche direkt beobachtbaren Merkmale (Indikatoren) ein Merkmal wie beispielsweise Bildung gemessen wird. Fragt man nach dem Ausbildungsweg oder der Schulleistung bzw. den Noten? Theoretischen und abstrakten Begriffen werden Indikatoren zugeordnet, die als Stellvertreter für den theoretischen Begriff agieren. Das theoretische Konstrukt wird somit operationalisiert und messbar gemacht.

Wo wird die Operationalisierung benötigt?

Der Prozess der Operationalisierung kommt in der quantitativen Forschung zum Einsatz. Doch was bedeutet quantitative Forschung überhaupt? Im Gegensatz zur qualitativen Forschung handelt es sich hierbei um ein Verfahren zur Datenerhebung im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen. Vorab definierte Hypothesen können mithilfe der gesammelten Daten überprüft werden. Die quantitative Forschung ist ein Datenerhebungsverfahren der empirischen Sozialforschung. Quantitative Erhebungsmethoden kommen beispielsweise in der Soziologie, bei sozialpsychologischen Experimenten, in der Marktforschung oder in der Wahlforschung zum Einsatz. Mithilfe von quantitativen Methoden werden numerische Daten erhoben. Quantitative Forschung bietet Vorteile in vielerlei Hinsicht:

  • Die Erhebungen sind zuverlässig, objektiv und vergleichbar.
  • Große Datenmengen werden innerhalb kurzer Zeit verarbeitet.
  • Zeit- und Kostenaufwand sind gering.
  • Die Durchführung ist simpel.
  • Die Ursachen potentieller Probleme werden lokalisiert.

Neben den Vorteilen, weist rein quantitative Forschung jedoch auch einige Nachteile auf. Die Erkenntnisse, die gewonnen werden, sind eher allgemein und komplexe Probleme und deren Ursachen können möglicherweise nicht umfassend genug erfasst werden. Außerdem kommt durch den standardisierten Forschungsaufbau die Individualität der Befragten häufig zu kurz. Ausformulierte und komplexe Fragen sind aufgrund der geschlossenen Fragen nicht möglich. Stelle dir also immer die Frage, welche Forschungsmethode für deine Hypothese am besten geeignet ist.

Operationalisierung für deine Bachelorarbeit

Um mit deiner Bachelorarbeit beginnen zu können, musst du zunächst eine Hypothese festlegen, die du quantitativ überprüfen willst. Wenn du zum Beispiel wissen möchtest, welche Risikofaktoren im Zusammenhang mit der Entwicklung eines Burnouts stehen, musst du zunächst eine konkrete Forschungsfrage ableiten und anschließend eine Annahme über einen möglichen Zusammenhang von Sachverhalten aufstellen. Du könntest beispielsweise so deine Forschungsfrage formulieren: „Besteht ein Zusammenhang zwischen perfektionistischen Einstellungen und dem Risiko an einem Burn Out zu erkranken?“ Ausgehend von dieser Frage musst du anschließend eine überprüfbare Alternativ- und Nullhypothese aufstellen.

Die Alternativhypothese in unserem Beispiel könnte folgendermaßen lauten:

„Je perfektionistischer jemand eingestellt ist, desto höher ist sein/ihr Risiko an einem Burn-Out zu erkranken.“

Die Nullhypothese könnte folgendermaßen lauten:

„Es besteht kein Zusammenhang zwischen perfektionistischen Einstellungen und der Burn-Out-Erkrankung.“

Um quantitativ überprüfen zu können, ob deine Hypothese wahr oder falsch ist, müssen die theoretischen Begriffe, die Bestandteil deiner Hypothese sind, operationalisiert werden. Doch wie funktioniert das genau?

Du hast Hypothesen aus deinem Thema mithilfe von Literaturrecherche und Forschungsstand abgeleitet? Sehr gut! Dann müssen die theoretischen Begriffe deiner Hypothese nur noch operationalisiert werden. In der Literatur werden theoretische Begriffe wie beispielsweise „perfektionistische Einstellungen“ häufig genau beschrieben und wissenschaftlich erforscht. Die Operationalisierung erfolgt in drei Schritten.

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Wandle deine theoretischen Begriffe in Variablen um

Um theoretische Begriffe bzw. Konstrukte in die Sprache der Statistik zu übersetzen, musst du sie in Merkmale bzw. Variablen umwandeln. In unserer Forschungsfrage „Besteht ein Zusammenhang zwischen perfektionistischen Einstellungen und dem Risiko an einem Burnout zu erkranken?“ kommen zwei theoretische Begriffe vor: Perfektionistische Einstellungen und Burnout. Im Rahmen deiner Literaturrecherche konntest du feststellen, dass die Variablen Fehlervermeidung, hohe persönliche Standards und leistungsbezogene Zweifel zum Konstrukt „Perfektionismus“ gehören. Für das Konstrukt Burnout kannst du die Variable „reduzierte Belastbarkeit“ heranziehen. Um einen besseren Überblick zu bekommen, kannst du deine theoretischen Begriffe in Variablen umgewandelt in einer Tabelle eintragen.

Perfektionismus Burnout
Fehlervermeidung reduzierte Belastbarkeit
hohe persönliche Standards
leistungsbezogene Zweifel
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Lege Indikatoren für deine Variablen fest

Nun müssen deine Variablen messbar gemacht werden. Du ordnest den Sachverhalten nun also eindeutige Zahlen zu. Für die Variablen Fehlervermeidung, hohe persönliche Standards, leistungsbezogene Zweifel und reduzierte Belastbarkeit müssen jetzt Indikatoren gefunden werden. Ein Indikator für leistungsbezogene Zweifel könnte zum Beispiel das Erfolgserleben im Beruf sein.

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 Bestimme die Merkmalsausprägungen deiner Indikatoren

Überprüfe im Rahmen der Operationalisierung gleich, ob es für deine Variablen bereits wissenschaftlich etablierte Ausprägungen gibt. Um deine Ergebnisse mit anderen Studien vergleichen zu können, greifst du am besten auf bereits bestehende Ausprägungen zurück. Diese Ausprägungen findest du beispielsweise in statistischen Datenbanken wie dem Statistischen Bundesamt oder Eurostat.

Operationalisierung: Zusammenfassung

Hier nochmal eine kurze und knackige Zusammenfassung wie du bei der Operationalisierung deiner Hypothese vorgehen musst:

  • Lege eine Hypothese fest, die du quantitativ überprüfen kannst.
  • Formuliere sowohl eine Alternativ- als auch eine Nullhypothese.
  • Übersetze deine theoretischen Begriffe in die Sprache der Statistik.
  • Dafür musst du herausfinden, welche Variablen dein Konstrukt am besten beschreiben.
  • Ordne deinen Variablen Zahlen bzw. Indikatoren zu.
  • Bestimme die Merkmalsausprägungen dieser Indikatoren.
  • Überprüfe ob es bereits wissenschaftlich etablierte Ausprägungen deiner Indikatoren gibt.