Flexion – Definition, Anwendung und Beispiele

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Flexion-Definition

Flexion ist ein Oberbegriff für die grammatische Beugung von Wörtern. Sie unterteilt sich in Deklination (bei Nomen, Adjektiven, Artikeln und Pronomen) und Konjugation (bei Verben). In diesem Artikel erhältst du eine Übersicht über die verschiedenen Formen der Flexion, wie sie funktionieren und welche Rolle sie beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit spielen.

Flexion „einfach erklärt“

Flexion beschreibt die Veränderung von Wortenden, damit die Wörter innerhalb eines Satzes in Kasus, Genus und Art der Flexion zueinander passen. Dabei werden die Wörter, die zueinander in Bezug stehen, aufeinander angepasst.

Definition: Flexion

Unter Flexion versteht man die grammatische Beugung von Wörtern. In flektierenden Sprachen (wie dem Deutschen) ist es die vorrangige Methode, um Wörter in Relation zu anderen Satzbestandteilen zu setzen. Bei der Flexion wird der Wortstamm um Affixe, die als grammatische Informationsträger dienen, erweitert. Auch die Stammvokale können von Flexion betroffen sein. In der deutschen Sprache werden

flektiert. Konjunktionen, Adverbien und Präpositionen weisen hingegen keine Flexion auf. Die Flexion von Nomen, Artikeln und Pronomen bezeichnet man als Deklination, während die Flexion von Verben Konjugation genannt wird.

Flexion von Nomen

Die (Satz-)Funktion des Nomens ist ausschlaggebend dafür, wie es selbst und die umliegenden (von ihm abhängigen) Wörter zu flektieren sind. Sie gibt den Kasus (Fall) vor, in dem das Nomen stehen muss. Im Deutschen gibt es vier Kasus/Fälle: Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Je nach Fall werden sowohl das Nomen als auch der dazugehörige Artikel dekliniert.

Der Nominativ markiert, dass es sich um das handelnde Subjekt des Satzes handelt. Es kann mit der Frage „Wer/Was (handelt hier gerade)?“ identifiziert werden.

Der Genitiv gibt Besitz und Zugehörigkeit an. Er beantwortet die Frage, wessen (Objekt) das betreffende Nomen ist.

Der Dativ und der Akkusativ bestimmen das Objekt eines Satzes, an dem das Subjekt eine Handlung vornimmt. Der Dativ bezieht sich vorrangig auf Personen und Ortsangaben, weswegen er die Frage beantwortet, „wo“ und an „wem“ ein Akt vollzogen wird. Ferner gibt er den Empfänger einer Handlung an.

Der Akkusativ bestimmt hingegen, auf „wen/was“ sich eine Handlung bezieht.

Je nach Kasus wird der Wortstamm des Nomens um unterschiedliche Suffixe modifiziert und der Artikel angepasst.1 Neben dem Kasus bestimmen das Genus (maskulin, feminin, neutral) und die Stärke der Deklination (schwach, stark, gemischt) die Flexion eines Nomens. Das Genus und die Deklinationsstärke lassen sich bei Bedarf im Duden nachlesen.

Kasus Singular Plural Beispiel
Nominativ der Hund die Hunde Der Hund rennt.
Genitiv des Hundes der Hunde Der Ball des Hundes.
Dativ dem Hund den Hunden Sie spielen mit dem Hund.
Akkusativ den Hund die Hunde Sie suchen den Hund.

Flexion von Adjektiven

Die Flexion von Adjektiven ist vom beschriebenen Nomen abhängig. Sie orientiert sich am Genus, am Kasus, am Numerus (der Anzahl) und an der Bestimmt- oder Unbestimmtheit des Artikels.

Ein unbestimmter Artikel fordert das Suffix {-e}, {-er}, {-es} oder {-en}.

Falsch: Ein schnelles Hund.
Richtig:
Ein schneller Hund.

Ein bestimmter Artikel beschränkt das Adjektiv auf die Suffixe {-e} oder {-en}.

Falsch: Der schnellen Hund rennt.
Richtig:
Der schnelle Hund rennt.

Flexion von Artikeln – bestimmt und unbestimmt

Artikel dienen dazu, die grammatischen Informationen (genauer: Genus, Numerus und Kasus) des Nomens zu betonen. Sie können bestimmt (auf einen spezifischen Gegenstand ausgerichtet) oder unbestimmt sein.

Unbestimmte Artikel gibt es in den Formen:

  • ein
  • eine
  • einen
  • einem
  • eines
  • einer

Bestimmte Artikel gibt es in den Formen:

  • der
  • die
  • das
  • den
  • dem
  • des

Unbestimmte Artikel verfügen in der deutschen Sprache über keine Pluralform und entfallen im Satz daher vollständig. Dabei spricht man auch vom sogenannten Nullartikel.

Flexion eines unbestimmten Artikels

Die folgende Tabelle zeigt Beispiele für die Flexion unbestimmter Artikel.

Kasus Maskulin Feminin Neutral
Nominativ ein Hund eine Katze ein Nashorn
Genitiv eines Hundes einer Katze eines Nashorns
Dativ einem Hund einer Katze einem Nashorn
Akkusativ einen Hund eine Katze ein Nashorn

Flexion eines bestimmten Artikels

Diese Tabelle zeigt Beispiele für die Flexion bestimmter Artikel im Singular.

Kasus Maskulin
Singular
Feminin
Singular
Neutral
Singular
Nominativ der Hund die Katze das Nashorn
Genitiv des Hundes der Katze des Nashorns
Dativ dem Hund der Katze dem Nashorn
Akkusativ den Hund die Katze das Nashorn

Diese Tabelle zeigt dieselben Beispiele für die Flexion bestimmter Artikel im Plural.

Kasus Maskulin
Plural
Feminin
Plural
Neutral
Plural
Nominativ die Hunde die Katzen die Nashörner
Genitiv der Hunde der Katzen der Nashörner
Dativ den Hunden den Katzen den Nashörnern
Akkusativ die Hunde die Katzen die Nashörner

Flexion von Pronomen

Pronomen dienen dazu, Nomen zu vertreten oder sie, und ihre Beziehung zu anderen Satzgegenständen, näher zu bestimmen. In der deutschen Sprache gibt es sieben unterschiedliche Arten von Pronomen:

  • Personalpronomen
    • z.B.: ich, du, er/sie/es, wir, ihr
  • Possessivpronomen
    • z.B.: mein, dein, sein, ihr, euer
  • Demonstrativpronomen
    • z.B.: diese, jene, derjenige, dieselbe
  • Reflexivpronomen
    • z.B.: mich, sich, uns, euch
  • Relativpronomen
    • z.B.: der, die, das, welches
  • Indefinitpronomen
    • z.B.: mancher, viele, niemand, alle
  • Interrogativpronomen
    • z.B.: Was? Welchen? Wen? Wem?

Die richtige Flexion von Demonstrativpronomen im Detail

Demonstrativpronomen dienen dazu, ein Nomen dezidiert hervorzuheben oder, in der Rolle eines Verweises, zu vertreten. Genus und Numerus des Nomens spiegeln sich auch im Demonstrativpronomen wider.

Falsch: Nachdem der Hund zu Hause ankam, schlief dieselbe ein.
Richtig:
Nachdem der Hund zu Hause ankam, schlief derselbe ein.

Das Beispiel übernimmt das Genus des Nomens (Maskulinum) und realisiert den Singular im Nebensatz. Durch das Demonstrativpronomen kann auf eine erneute Erwähnung des Nomens verzichtet werden.

Zusammenwirken von Possessiv- und Personalpronomen in der Flexion

Possessivpronomen verdeutlichen den/die Besitzer beziehungsweise die Zugehörigkeit des betreffenden Nomens. Sie orientieren sich an der grammatischen Person und am Genus der besitzenden Entität. Für jedes Personalpronomen gibt es entsprechende Possessivpronomen:

  • ich = mein
  • du = dein
  • er = sein
  • sie = ihr
  • es = sein
  • wir = unser
  • ihr = euer
  • sie = ihr

Falsch: Das ist deine Hund.
Richtig: Das ist dein Hund.

Flexion von Verben – Faktoren der Konjugation

Die Flexion von Verben wird Konjugation genannt. Sie hängt von der Person, dem Tempus (Zeitform), dem Modus, Numerus und dem Genus Verbi ab. Darüber hinaus gibt es starke (unregelmäßige), schwache (regelmäßige) und gemischte Verben. Starke Verben verändern bei der Flexion ihren Wortstamm, während die Konjugation schwacher Verben aus dem Anfügen von Affixen besteht. Gemischte Verben verändern je nach Form ihren Wortstamm und erhalten zusätzlich die Affixe schwacher Verben. Die Subjekt-Verb-Kongruenz schreibt vor, dass Subjekt und Verb hinsichtlich Kasus, Numerus und Genus übereinstimmen müssen.

Falsch: Der Hund wandern durch die Gegend.
Richtig: Der Hund wandert durch die Gegend.

Die Person als Faktor der Konjugation

Die deutsche Sprache kennt drei grammatische Personen, die jeweils im Singular (ich, du, er/sie/es) und im Plural (wir, ihr, sie) stehen können. Die grammatische Person hängt von der Perspektive des Textes auf das Subjekt ab. Sie hat Einfluss auf die Flexion des Verbs.

Falsch: Der Hund spielen mit dem Ball.
Richtig:
Der Hund spielt mit dem Ball.
Falsch: Die Hunde spielt mit dem Ball.
Richtig:
Die Hunde spielen mit dem Ball.

Der Einfluss der Zeitformen auf die Flexion eines Verbs

Die Zeitformen geben an, auf welcher Zeitebene (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) sich eine Handlung vollzieht. Die sechs Zeitformen des Deutschen sind:

  • Präsens (Gegenwart)
  • Präteritum (Vergangenheit)
  • Perfekt (Vergangenheit)
  • Plusquamperfekt (Vergangenheit)
  • Futur I (Zukunft)
  • Futur II (Zukunft)

In einer wissenschaftlichen Arbeit können alle Zeitformen vorkommen. Während das Präsens die vorrangige Zeitform deiner Arbeit sein sollte, kann das Präteritum dazu dienen, auf ältere Studien hinzuweisen. Das Futur ist indes dazu geeignet, Prognosen zum Ausdruck zu bringen.

Beispiel:

  • Präsens: Der Hund spielt mit dem Ball.
  • Präteritum: Der Hund spielte mit dem Ball.
  • Perfekt: Der Hund hat mit dem Ball gespielt.
  • Plusquamperfekt: Der Hund hatte mit dem Ball gespielt.
  • Futur I: Der Hund wird mit dem Ball spielen.
  • Futur II: Der Hund wird mit dem Ball gespielt haben.

Der Modus einer Konjugation

Die deutsche Sprache kennt drei Modi. Diese sind:

  • Indikativ (Wirklichkeitsform)
  • Imperativ (Befehlsform)
  • Konjunktiv (Möglichkeitsform)

Der Indikativ drückt aus, was tatsächlich geschieht. Er wird am häufigsten gebraucht und ist mit allen Zeitformen kompatibel.

Beispiel:

Der Hund spielt im Garten.

Der Imperativ wird genutzt, um Aufforderungen und Befehle auszudrücken. Er steht immer im Präsens sowie in der 2. Person (Plural und Singular) oder der 1. Person Plural.

Beispiel:

Spiel im Garten!

Der Konjunktiv (der sich in Konjunktiv I und Konjunktiv II unterteilt) drückt Möglichkeiten, Zweifel, Behauptungen anderer, Wünsche oder höfliche Erwägungen aus.

Beispiel:

Es heißt, der Hund spiele im Garten.

Während der Imperativ für wissenschaftliche Arbeiten eher uninteressant ist, kann der Konjunktiv dazu dienen, indirekte Zitate und kritische Distanz zu Fremdaussagen zu verdeutlichen.

Das Genus Verbi

Das Genus Verbi gibt an, ob ein Satz im Aktiv oder im Passiv steht. Diese Eigenschaft wird in erster Linie durch die Flexion des Verbs bestimmt. Eine aktive Verbform drückt aus, dass das Subjekt eine Handlung durchführt. Eine passive Verbform zeigt hingegen an, dass jemand/etwas anderes eine Handlung am Subjekt durchführt.

Aktiv: Der Hund frisst das Hundefutter.
Passiv: Das Hundefutter wird von dem Hund gefressen.

Aktive Sätze sind einfacher zu lesen und werden von vielen Lesern stilistisch bevorzugt.2 In manchen Fällen ist es jedoch sinnvoll, passive Sätze zu verwenden, um Anthropomorphismen in wissenschaftlichen Arbeiten zu vermeiden.

Aktiv: Diese Hausarbeit soll zeigen, dass (…)
Passiv: In dieser Hausarbeit soll gezeigt werden, dass (…)

Häufig gestellte Fragen

Flexion bezeichnet die Beugung von Wörtern, um sie zum Träger grammatischer Informationen zu machen und an ihre Funktion im Satz anzupassen. Die Flexion von Nomen, Adjektiven, Artikeln und Pronomen wird Deklination genannt, während die Flexion von Verben als Konjugation bezeichnet wird.

Das Genus Verbi bestimmt, ob ein Verb (und damit der Satz) im Aktiv oder im Passiv steht. Aktive Verben geben an, dass jemand oder etwas eine Handlung vollzieht, während passive Verben vermitteln, dass eine Handlung an jemandem oder etwas vollzogen wird.

Präpositionen, Konjunktionen und Adverbien sind in der deutschen Sprache nicht von Flexion betroffen.

Das Genus ist das grammatische Geschlecht eines Wortes. Es kann im Maskulinum, Femininum oder Neutrum stehen. Das Genus hat Auswirkungen auf den Artikel, auf Pronomen, die Pluralbildung und die Flexion von Adjektiven.

Die deutsche Sprache kennt sechs Zeitformen: Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II.

Quellen

1 Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: Flexion, in: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 2012, [online] https://www.germanistik.uni-kiel.de/de/lehrbereiche/deutsche-sprachwissenschaft/studium-und-lehre/material/Gruppenarbeit%20Flexion.pdf (26.08.2022)

2 Baumgärtner, Sören D./Postuwka, Gabriele: Studienleitfaden des
Instituts für Sportwissenschaften. Richtlinien und Hinweise für das Studium sowie für die Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten, in: Goethe Universität Frankfurt am Main, 10.2016, https://www.uni-frankfurt.de/50248794/Anleitung.pdf (26.08.2022)