0800 – 777 21 00

Studienarbeit bequem online drucken.

Leitfadeninterview für die Bachelorarbeit ~ Beispiele & Ablauf

Beitrag mit Freunden teilen

Leitfadeninterview

Fakten über das Leitfadeninterview

FaktenErklärung zum Leitfadeninterview
Definition LeitfadeninterviewDas Leitfadeninterview ist eine Erhebungsmethode der qualitativen Forschung (vgl. Lamnek; Krell 2016: 213). Als Leitfadeninterview werden Interviews bezeichnet, die durch einen Leitfaden mehr oder weniger stark strukturiert werden (vgl. Stigler; Felbinger 2012: 141).
Einsatz des Leitfadeninterviews• Bei explorativen Untersuchungen in Bachelorarbeit & Masterarbeit
• Zur Hypothesengewinnung
• Als Pretest für quantitative Untersuchung
Ablauf des Leitfadeninterviews1. Schritt: Fragen formulieren und sortieren
2. Schritt: Personen für das Leitfadeninterview auswählen
3. Schritt: Durchführung der Leitfadeninterviews und Datenerfassung
4. Schritt: Auswertung der Interviews
Vorteile eines Leitfadeninterviews+ Hohe Informationsgewinnung möglich
+ Flexibilität und direkte Rückfragen in der Interviewsituation möglich
+ Formale Übersichtlichkeit und Hilfe bei der Durchführung durch Leitfaden
+ Vor allem für Interviewnovizen gut handhabbar
Nachteile eines Leitfadeninterviews- Hoher Zeitaufwand
- Geringe Vergleichbarkeit der Interviews
- Schwierige Auswertung der Inhalte

Was ist ein „Leitfadeninterview“ und welche Kriterien muss ein Leitfadeninterview erfüllen?

Das Interview im Allgemeinen und das Leitfadeninterview im Besonderen haben im Vergleich zu anderen Methoden der qualitativen Forschung einen sehr hohen Stellenwert, da sie am häufigsten durchgeführt werden (vgl. Diekmann 2016: 435) und auch für Bachelorarbeiten, Masterarbeiten oder andere Abschlussarbeiten sehr beliebt sind. Als Leitfadeninterview werden alle Interviewformen bezeichnet, bei denen dem Interviewer bei der Durchführung ein Leitfaden zur Verfügung steht (vgl. Flick 2016: 113).

Der Leitfaden, der für ein Leitfadeninterview verwendet wird, dient dem Interviewer als „Orientierungshilfe und Gedächtnisstütze und enthält sämtliche wichtige Fragen, sowie Hinweise, wie einzelne Frageblöcke eingeleitet werden sollten“ (Stigler; Felbinger 2012: 141).

Darüber hinaus strukturiert der Leitfaden das Gespräch bei einem Leitfadeninterview mehr oder weniger strikt (vgl. ebd.). Die wichtigsten Merkmale eines Leitfadeninterviews, die du in deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit beachten solltest, werden in der folgenden Tabelle zusammen gefasst  (vgl. Lamnek 1993: 64):

Merkmale eines Leitfadeninterviews Erklärung
Prinzip der Zurückhaltung durch den ForscherLeitfadeninterviews lassen den Befragten zu Wort kommen. Das setzt voraus, dass sich der Interviewer verbal zurückhält.
Prinzip der OffenheitDas Leitfadeninterview ist für unerwartete Informationen und für die subjektive Sicht des Befragten zugänglich, da der Interviewer sich erzählen und ausreden lässt.
Prinzip der FlexibilitätIn der Interviewsituation reagiert der Forscher variabel auf die Bedürfnisse der Befragten und hält sich nicht starr an die Frageformulierung und -reihenfolge des Leitfadens. Der Interviewer sollte sich an das Sprachniveau des Befragten anpassen.
Prinzip der ProzesshaftigkeitDas Leitfadeninterview ermittelt bevorzugt Deutungs- und Handlungsmuster der Befragten, die sich im Verlauf des Leitfadeninterviews entwickeln.
Prinzip der datenbasierten TheorieZiel des Leitfadeninterviews ist es, Theorien zu generieren und nicht zu überprüfen.

Häufig gesucht: Exposé

Worauf muss ich beim Erstellen von Leitfadeninterviews achten?

Das Erstellen eines Interviewleitfadens benötigt einige Vorarbeit und auch Kenntnisse über das Forschungsgebiet. Daher ist zunächst eine Analyse des Problems, zu dem erforscht werden soll, ganz wichtig. Aus dieser Vorbereitung erfolgt dann eine Themenstellung. Aus den zentralen Aspekten der Themenstellung werden dann die Fragen für das Leitfadeninterview entwickelt (vgl. Stigler; Felbringer 2012: 142).

Grundsätzlich gilt, ein Leitfaden sollte „so offen und flexibel […] wie möglich, so strukturiert wie aufgrund des Forschungsinteresse notwendig“ (Helfferich 2011: 181) sein.

Wenn du beim Erstellen eines Leitfadens für dein Leitfadeninterview die folgenden Punkte berücksichtigst, kann der Befragte seine Alltagserfahrungen über Zusammenhänge so darstellen, dass sie als eine brauchbare Interpretationsgrundlage für dein Forschungsvorhaben dienen können (vgl. Lamnek; Krell 2016: 328):

Wichtige Punkte beim LeitfadeninterviewErklärung
mündlich-persönlichDas Leitfadeninterview soll wie in einem Interview verlaufen: Kein Ablesen von Fragen, priorisieren von spontan produzierten Erzählungen, begrenzte Anzahl von Fragen (max. vier größere Frageblöcke) pro Interview.
halb-standardisiertWenn die Reihenfolge und der Wortlaut der Fragen vorgegeben wären, fehlte es an der notwendigen Offenheit. Der Leitfaden soll daher nur Orientierungshilfe sein und sich am „natürlichen“ Erinnerungs- und Argumentationsfluss orientieren.
ausschließlich offene FragenBerücksichtigung der Grundprinzipien qualitativer Sozialforschung, vor allem des Prinzips der Offenheit und Flexibilität.
Neutraler InterviewstilKeine wertenden Aussagen zu den Antworten, sondern wertschätzende Haltung seitens des Interviewers während des Leitfadeninterviews.
EinzelinterviewsAufgrund der manchmal sensiblen Inhalte der Leitfadeninterviews sollen die Gespräche unter vier Augen stattfinden (mehr Teilnehmer = Gruppeninterview).

Tipp: Die vier Schritte Sammeln, Prüfen, Sortieren und Subsumieren (SPSS) können dir bei der Erstellung deiner Interviewleitfadens helfen.

  • Sammeln von möglichst vielen Fragen.
  • Prüfen der Fragen mit dem Ziel einer Reduzierung und Strukturierung.
  • Sortieren der verbleibenden Fragen nach inhaltlicher Logik.
  • Subsumieren der einzelnen Fragen unter einfachen Erzählaufforderungen.

Ohne Fragen keine Antworten: Wie gestalte ich mein Leitfadeninterview?

Nicht jede Frage ist gleich. Grundsätzlich wird zwischen offenen und geschlossenen Fragen unterschieden. In deinem Leitfadeninterview solltest du überwiegend offene Fragen verwenden. Offene Fragen geben die Antworten der Befragten nicht vor, die Antworten können demnach auch nicht in „ein vorgegebenes Antwortschema eingeordnet werden“ (Lamnek; Krell 2016: 327).

Die folgenden Beispiele verdeutlichen den Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Fragen und deren Wirkung auf den Informationsgehalt.

Beispiel für eine offene Frage im Leitfadeninterview (vgl. Lamnek; Krell 2016: 327):

Frage: Was halten Sie von der Todesstrafe?

Antwort: Eigentlich bin ich dagegen, aber weil in unserer Zeit immer mehr Kapitalverbrechen begangen werden, sollte an die Todesstrafe wieder einführen. Man muss die Bevölkerung vor Mördern schützen.

Beispiel für eine geschlossene Frage im Leitfadeninterview (vgl. Lamnek; Krell 2016: 326):

Frage: Sind Sie für oder gegen die Todesstrafe?

Antwort:     

  • Ich bin dafür.
  • Ich bin dagegen.

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Fragetypen und wann du welche Frage in deinem Leitfadeninterview einsetzten solltest (vgl. Helfferich 2011: 102ff.):

FragetypEinsatz im LeitfadeninterviewBeispiel
Offene FrageLaden zum Erzählen ein. Fangen mit „Was?“, „Wer?“, „Wie?“, „Wann?“, „Wofür?“, „Wozu“, „Wodurch?“ an.
ErzählimpulsZu Beginn deines Leitfadeninterviews oder wenn das Gespräch ins Stocken gekommen ist.
Wichtig: Formulieren diese Frage als offene, aber konkrete Frage.
„Erzählen Sie doch mal…“
„Können Sie sich an eine typische Situation erinnern, in der…“
Aufrechterhaltungsfragem das Gespräch im Gang zu halten und mehr Informationen zu sammeln.
Tipp: Du kannst die letzten Worte des Befragten wiederholen, um eine Frage u formulieren.
„Wie war das für Sie…?“
„Können Sie mir das etwas genauer beschreiben?“
„Wie ging es dann weiter?“
„Und dann?“
SteuerungsfrageWenn das Gespräch auf die Fragestellung (zurück) gelenkt werden soll und um gezielte Informationen zur Forschungsfrage zu sammeln.„Können Sie vielleicht ein Beispiel nennen?“
„Können Sie das ausführlicher beschreiben?“
„Spielt es auch eine Rolle, dass…“
„Mich würde noch interessieren, ob…“
KonfrontationWenn (scheinbare) Widersprüche im Gesprächsverlauf aufgezeigt werden sollen.
Wichtig: Befragten hierbei nicht bloßstellen!
„Sie habe vorhin gesagt, dass…“
WunderfrageUm den Fokus weg vom Problem und hin zu einer Lösung zu lenken. „Angenommen es geschehe ein Wunder und diese Schwierigkeiten würden gelöst werden, woran merkten Sie, dass ein Wunder geschah?“
Zirkuläre FrageUm die Perspektive des Befragten im Leitfadeninterview zu erweitern und eine neue Sichtweise zu eröffnen.„Was denken Sie, würde XY dazu sagen?“
Paradoxe FrageWenn die Gründe eines Problems deutlich werden sollen.„Was müssten Sie tun, damit das Problem noch schlimmer wird?“
„Was müsste geschehen, damit das Problem schlimmer wird?“
Paraphrase/ WiderspiegelnWenn Gedanken des Befragten fortgeführt oder ergänzt werden sollen.
Tipp: aktives Zuhören, hohe Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit helfen dabei!
„Wenn ich Sie richtig verstanden habe…“
„Meinen Sie, dass…?“
„Verstehe ich Sie richtig, wenn…?

Durchführung eines Leitfadeninterviews

Die Durchführung eines Leitfadeninterviews erfolgt in vier Schritten. Was du dabei zu beachten hast, zeigt dir die folgende Tabelle:

VorgehensweiseWas muss ich tun, um ein Leitfadeninterview durchzuführen?Worauf muss ich bei einem Leitfadeninterview achten?
1. Schritt: Fragen formulieren und sortieren
(vgl. Vogt; Werner 2014: 28ff.)
- Sammeln und Aussortieren der Fragen für das Leitfadeninterview
- Für die Vergleichbarkeit: Sammeln von relevanten, persönlichen Fragen (nach dem Alter, Geschlecht, Wohnort, Herkunft,…)
- Nie die Forschungsfrage direkt stellen!
- Keine Fremdwörter oder Fachbegriffe!
- Nicht zu viele Fragen!
- Keine geschlossenen oder entweder-oder-Fragen!
- Reihenfolge der Fragen orientiert sich am Erzählfluss!
2. Schritt: Personen auswählen (vgl. Lamnek; Krell 2016: 362ff.)- Auswahl der Befragten nach besonders interessanten Fällen
- Kontaktaufnahme
- Terminvereinbarung
- Vermeide eine Verzerrung der Antworten durch eine Vorsortierung der Befragten: Treffe deine Auswahl nicht nur aus dem Bekanntenkreis!
- Sei offen bzgl. Fällen, die von deiner Vorstellung abweichen können!
3. Schritt: Daten-gewinnung und Datenerfassung
(vgl. Diekmann 2016: 446ff.)
- Ort: für den Befragten vertraute Umgebung.
- Einverständniserklärung zur Aufnahme des Leitfadeninterviews einholen
- Hervorheben des Expertenstatus des Befragten, damit das leichter fällt
- Checke vorab die Technik: Funktioniert die Aufnahme der Interviews?
- Pass dich an das Sprachniveau an!
- Beachte auch den Dresscode oder Kleidungsstil deiner Befragten!
- Vermeide Befragungsmerkmalen: Keine Suggestivfrage und möglichst neutrale Fragen stellen!
- Sei offen geg. den Antworten des Befragten!
- Nur eine Frage auf einmal stellen!
4. Schritt: Auswertung und Daten-analyse
(vgl. Mayring 2016: 114ff.; Kuckartz 2016:100)
- Anfertigen eines Transkripts
- Entwicklung von Hauptkategorien
- induktive Entwicklung von Subkategorien
- Codieren des gesamten Materials auf die Haupt- und Subkategorien
- Visualisierung der Ergebnisse
- Da dieser Teil sehr zeitintensiv ist (für 10 Stunden Interviewmaterial, 60-80 Stunden transkribierst), plane genügen Zeit ein!
- Nutze entsprechende Software für die Datenanalyse, wie f4transkript (Windows) bzw. f5Stranskript (Mac) für das Transkripieren aus Audiodateien oder MAXQDA für die Codierung.

Für die Datenanalyse kannst du dich an die Schritte von Kuckartz (2016: 100) halten, die in der folgenden Grafik dargestellt sind.

Leitfadeninterview Auswertung

Ein Leitfadeninterview-Beispiel

Folgendes Bild verdeutlicht den theoretischen Ablauf eines Leitfadeninterviews:

Leitfadeninterview Beispiel

Bei der Erstellung eines Leitfadens für ein Leitfadeninterview in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit kannst du dich an dem folgenden Leitfaden zu „Wohnformen und Versorgungssituation im Alter“ orientieren (vgl. Lamnek; Krell 2016: Online Material):

Leitfadeninterview Einleitung
Leitfadeninterview Fragen
Leitfadeninterview Abschluss

Unterscheidung verschiedener Typen von Leitfadeninterviews

Der Leitfaden, wie du ihn in einem Leitfadeninterview für Bachelorarbeit und Masterarbeit gebrauchst, kann ein unterschiedlich hohes Maß an Strukturierung aufweisen. Die Befragten sind also entweder aufgefordert, das Gespräch selbst zu lenken oder werden vom Interviewer gelenkt. Unterschieden wird zwischen

  • voll-standardisierten Interviews (fest vorgegebener Wortlaut und Reihenfolge der Fragen),
  • halb-standardisierten Interviews (= teilstandardisiert oder semistrukturiert) (vorgegebener Wortlaut und Reihenfolge, Improvisationen sind jedoch möglich)
  • und nicht-standardisierten Interviews (abgesehen vom Forschungsthema ist alles frei) (vgl. Gläser; Laudel 2010: 41).

Die folgende Abbildung zeigt, dass sich das Leitfadeninterview auf dem halb-standardisierten Niveau bezüglich der Strukturierung des Erhebungsinstrumentes und der Information befindet.

Leitfadeninterview erstellen

Unter den Oberbegriff „Leitfadeninterview“ fallen unterschiedliche Typen, wie unter anderem das

  • Narrative Interview (vgl. Schütze 1977)
  • Episodische Interview (vgl. Flick 1995)
  • Problemzentrierte Interview (vgl. Witzel 1982)
  • Fokussierte Interview (vgl. Merton; Kendall 1956)
  • Tiefen- oder Intensivinterview (vgl. Koolwijk 1974)
  • Rezeptive Interview (vgl. Kleining 1988)
  • Situationsflexible Interview (vgl. Hoffmann-Riem 1980)
  • Experteninterview (vgl. Meuser; Nagel 1991)
  • Eroepische Gespräch (vgl. Girtel 2001)

Die unterschiedlichen Typen von Leitfadeninterviews haben auch unterschiedliche Anwendungsbereiche. Die folgende Tabelle  zeigt die häufigsten Typen von Leitfadeninterviews und deren Anwendungsbereich (vgl. Flick 2016: 113ff.):

VerfahrenLeitfadeninterview
KriterienFokussiertes InterviewHalb-Standardisiertes InterviewProblemzentriertes InterviewExperteninterviewEthnographisches Interview
AnwendungsbereichAnalyse subjektiver BedeutungenRekonstruktion subjektiver TheorienGesellschaftlich oder biographische relevante ProblemeExpertenwissen in InstitutionenIm Rahmen der Feldforschung in offenen Feldern

Vor- und Nachteile des Leitfadeninterviews

Die Wahl des Leitfadeninterviews als qualitative Forschungsmethode in deiner empirischen Bachelorarbeit oder empirischen Masterarbeit beeinflusst immer auch deine Forschungsergebnisse. Es ist nämlich gut möglich, dass du andere Ergebnisse bekommst, wenn du kein Leitfadeninterview durchführst, sondern ein anderes Erhebungsinstrument verwendest.

Außerdem müssen alle Schritte der Durchführung eines Leitfadeninterviews für andere Forscher nachvollziehbar gestaltet sein (vgl. Flick 2016: 198). Daher ist es das Herz deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit mit Leitfadeninterview, dass du die Wahl des Leitfadeninterviews gut begründest.

Folgende Tabelle zeigt die Vor- und Nachteile eines Leitfadens bei einem Leitfadeninterview (vgl. Lamnek; Krell 2016: 323; Stigler; Felbinger 2012: 141f.):

Vorteile des Leitfadens beim LeitfadeninterviewNachteile eines Leitfadens beim Leitfadeninterview
Der Leitfaden deines Leitfadeninterviews dient als Hilfestellung bei der Vorbereitung und als Strukturierung und Orientierung während der Interviewsituation Höhere Anforderungen an den Interviewer und Befragten
Trotz Leitfaden flexibel in der DurchführungGefahr, dass Interviewer am Leitfaden „klebt“
Geringe Beeinflussung des Befragten durch Prädetermination Höherer Zeitaufwand, da schwierigere Auswertung
Sichtweise der Befragten wird deutlich, da eigene Formulierungen des Befragten möglichGeringe Vergleichbarkeit der Ergebnisse
Höhere Vergleichbarkeit durch Einsatz von LeitfadenMöglicher großer Einfluss des Interviewers auf den Befragten
Hoher Informationsgewinn und konkrete Aussagen zum ForschungsgegenstandGefahr, dass eine Frage-Antwort-Situation entsteht und dadurch kein Vertrauen aufgebaut werden kann

Als Begründung für eine qualitative Untersuchung mithilfe des Leitfadeninterviews kannst du folgende Aspekte nennen:

  • Für die Sicherstellung eines realen Bezugs und um die Theorie sowie die Forschungsfragen durch eine praxisnahe Perspektive beleuchten zu können, ist ein empirisches Vorgehen notwendig (vgl. Zelewski 2008: 24).
  • Die Wahl zu einer qualitativen Forschung fiel, da zum Forschungsgegenstand neue Informationen ermittelt werden sollen und daher das Forschungsprojekt einen explorativen Charakter hat. Außerdem sollen neue Hypothesen formuliert werden und ein ganzheitliche Perspektive zum Forschungsgegenstand gewonnen werden (vgl. Bacher; Horvath 2011: 15f.)
  • Der Entschluss ein Interview einzusetzen fiel deshalb, da der Forschungsgegenstand gut verbalisierbar ist und die subjektive Perspektive der Befragten von Interesse ist. Dabei gilt das Interviews als eine äußerst effektive qualitative Forschungsmethode (vgl. Langer 1985; Mayring 2016: 66).
  • Da nur wenige Wissensträger und damit möglich Interviewpartner vorhanden sind, sollte möglichst viel Information aus den einzelnen Gesprächen gewonnen werden, deshalb viel die Wahl auf ein Leitfadeninterview, das die subjektive Sicht des Befragten in seiner tiefer ideal darlegen kann (vgl. Flick 2016: 140).
  • Durch den Einsatz eines Leitfadeninterviews sollen konkrete Aussagen zum Forschungsgegenstand gesammelt werden und einen Vergleich zwischen den einzelnen Interviews möglich gemacht werden. Der Leitfaden soll zudem die Interviewsituation strukturieren und als Orientierungshilfe dienen mit dem Ziel, die Interviewereinflüsse möglichst gering zu halten (Stigler; Felbinger 2012: 141f.).

Fazit

  • Der Begriff des „Leitfadeninterviews“ ist eine Art Oberbegriff für eine bestimmte Art der qualitativen Interviewdurchführung. Zurückhaltung, Offenheit und Flexibilität des Interviewers sind die wichtigsten Merkmale bei einem Leitfadeninterview.
  • Es gibt zahlreiche Typen von Leitfadeninterviews, die jeweils einen unterschiedlichen Anwendungsbereich haben.
  • Wichtig: Unabhängig davon um welchen Typ Leitfadeninterview es sich handelt, ist beim Erstellen des Leitfadens darauf zu achten, sich zunächst die Ziele des Leitfadeninterviews festzusetzten: Was will ich erfragen? Wie will ich die Ergebnisse auswerten? Wie will ich die Ergebnisse verwenden? Verlieren dabei nie deine Forschungsfrage aus den Augen!
  • Die folgenden vier Schritte gehören zu jedem guten Leitfadeninterview:
Leitfadeninterview Ablauf
  • Das Herzstück deiner Bachelorarbeit oder Masterarbeit muss die Begründung deiner Wahl zum Leitfadeninterview sein. Als Argumentation kannst du die höhere Vergleichbarkeit, den Leitfaden als Strukturierungshilfe damit weniger Befragungsmerkmale entstehen und das Ziel konkrete Aussagen zum Forschungsthema zu sammeln, nennen.
  • Tipp: An dieser Stelle deiner Forschungsarbeit kannst du Probleme in der gewählten Vorgehensweise, Einschränkungen (Limitationen) deiner Ergebnisse erwähnen und alternative Deutungsmöglichkeiten deiner Ergebnisse erwähnen. Versuche auch die Frage zu beantworten, inwiefern die Alltagswelt deiner Befragten erfasst wurde (sollte bei einer qualitativen Forschung der Fall sein). Diese kritische Reflexion kannst du in einem eigenen Kapitel beschreiben und gehört zur Durchführung eines Leitfadeninterviews dazu (vgl. Vogt; Werner 2014: 69f.).
  • Bei der Fragenformulierung für dein Leitfadeninterview solltest du besonders darauf achten, dass du ausschließlich offene Fragen stellst, keine Fremdwörter oder andere schwierige Wörter verwendest, niemals die Forschungsfrage selbst fragst und nicht zu viele Fragen stellst.

Quellennachweise

Bacher; Horvarth (2011). Einführung in die Qualitative Sozialforschung. Linz: Johannes Kepler Universität Linz.

Diekmann, A. (2016). Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. 10. Aufl., Hambug: rowohls enzyklopädie.

Flick, U. (1995). Handbuch qualitativer Sozialforschung. Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen. Weinheim: Beltz, Psychologie Verlags Union.

Flick, U. (2016). Sozialforschung. Methoden und Anwendungen. Ein Überblick für die BA-Studiengänge. 3. Aufl. Hamburg: rowohlts enzyklopädie.

Girtler, R. (2001). Methoden der Feldforschung. 4. Aufl. Wien, u.a.: Böhlau-Verl.

Gläser, J.; Laudel, G. (2010). Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse. Wiesbaden: VS.

Helfferich, C. (2011). Die Qualität qualitativer Daten. Manual für die Durchführung qualitativer Interviews. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.

Hoffmann-Riem, C. (1980). Die Sozialforschung einer interpretativen Soziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. 32. S. 339-372.

Kleining G. (1988). Wie ist kritisch die Sozialforschung möglich? In: Deichsel, A.; Thuns, B. (Hrsg.). Forschen und Möglichkeiten des Sozialen. Hamburg.

Koolwijk, J. v. (1974). Erhebungsmethoden. Die Befragung. Band 4. München, u.a.: Oldenbourg.

Kuckartz, U. (2016): Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Band 1, 4. Aufl. S. 1-97. München; Wien.

Lamnek, S. (1993). Methoden und Techniken. Qualitative Sozialforschung. Band 2. Wenheim: Beltz.

Lamnek, S; Krell, C. (2016). Qualitative Sozialforschung. 6. Aufl. Weinheim; Basel: Beltz.

Langer, J. (1985). Das persönliche Gespräch als Weg in der psychologischen Forschung. Zeitschrift für personenzentrierte Psychologie und Psychotherapie. 4. S. 447-457.

Mayring, P. (2016). Einführung in die qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativem Denken. 6. Aufl. Weinheim; Basel: Beltz.

Merton, R. K.; Kendall, P. I. (1956). The Focused Interview. A manual of problems and procedures. New York; London: The Free Press.

Meuser, M.; Nagel, U. (1991). Experteninterview. Vielfach erprobt, wenig beachtet. Ein Beitrag zur qualitativen Methodendiskussion. In Granz, D.; Kraimer, K. (Hrsg.). Qualitativ-empirische Sozialforschung. Konzepte. Methoden. Analysen. Opladen: Westdt. Verl.

Schütze, F (1977). Die Technik des narrativen Interviews in Interaktionsfeldstudien. Dargestellt an einem Projekt zur Erforschung von kommunalen Machtstrukturen. Bielefeld: Arbeitsberichte und Forschungsmaterialien.

Stigler, H.; Felbinger, G. (2012): Der Interviewleitfaden im qualitativen Interview. In: Stigler, H; Reicher, H. (Hrsg.): Praxisbuch Empirische Sozialforschung in den Erziehungs- und Bildungswissenschaften. S. 141-146. Innsbruck; Wien; Bozen: Studien Verlag.

Vogt, S.; Werner, M. (2014). Forschen mit Leitfadeninterviews und qualitativer Inhaltsanalyse. Fachhochschule Köln, aufgerufen am 09.03.2018 auf https://www.f01.th-koeln.de/imperia/md/content/sozialearbeitplus/skript_interviewsqual_inhaltsanalyse.pdf

Witzel, A. (1982). Verfahren der qualitativen Sozialforschung. Überblick und Alternativen. Weinheim: Beltz.

Zelewski, S. (2008). Grundlagen. In: Corsten, H.; Reiß, M. (Hrsg.). Betriebswirtschaftslehre. Frankfurt; New York: Campus Verlag.

Der 24-Express-Versand ist für Lieferungen innerhalb Deutschlands komplett kostenfrei. Außerhalb Deutschlands, d.h. nach Österreich, Schweiz und alle weiteren EU-Länder kostet der 24-Express Versand 14,90 €. Weitere Infos in der Versandübersicht.
Um unsere Webseite für dich optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies.
Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhältst du in unserer Datenschutzerklärung. OK