Peer-Review in der Wissenschaft

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Peer-Review

Ein Peer-Review soll die Qualität von Publikationen in Fachjournalen möglichst hoch halten. Doch was versteht man eigentlich unter dem Begriff? Wie läuft ein Peer-Review genau ab? Und die vielleicht wichtigste Frage: Erfüllt das Verfahren denn auch wirklich seinen Zweck? Dieser Beitrag liefert dir alle Antworten.

Häufig gestellte Fragen

Peer lässt sich mit „Gleichrangiger“ übersetzen, Review mit „Begutachtung“. In dem Sinne bedeutet Peer-Review wörtlich „Begutachtung eines Gleichrangigen“.

Ein Peer-Review ist ein Verfahren, bei dem Peers – also unabhängige Wissenschaftler aus dem entsprechenden Fachgebiet – einen wissenschaftlichen Artikel, der in einem Journal veröffentlicht werden soll, vor allem auf Relevanz und methodische Korrektheit prüfen.

Die Vorgabe für den Peer ist zweifelsohne, beim Review objektiv zu sein. Allerdings lässt sich in der Praxis nie mit hundertprozentiger Gewissheit sagen, ob der Gutachter seine Bewertung tatsächlich ohne subjektive Färbung vornimmt.

In der Regel ist ein Peer-Review zumindest einseitig anonym. In dem Fall bleibt der Name des prüfenden Peers unerwähnt. Manchmal gilt das ebenso für den Verfasser des Artikels, der dem Peer-Review unterzogen wird.

Wenn man einer Legende um den deutsch-britischen Diplomaten und Naturphilosophen Henry Oldenburg trauen darf, existiert das Peer-Review bereits seit dem 17. Jahrhundert. Gemäß dieser Überlieferung sah sich der Gründungsherausgeber der ‚Philosophical Transactions‘ nicht fähig, eingereichte Artikel zu naturwissenschaftlichen Themen selbst zu beurteilen, sodass er diese Aufgabe an fachkompetente Wissenschaftler delegierte.

Definition: Peer-Review

Wenn du deinen wissenschaftlichen Artikel in einem Journal veröffentlichen möchtest, wird dein Beitrag üblicherweise erst einmal geprüft. Zunächst wirft der Herausgeber selbst einen Blick darauf und entscheidet, ob dein Beitrag für das Journal überhaupt relevant ist. Sollte dies der Fall sein, erteilt der Herausgeber einem Wissenschaftler vom Fach den Auftrag, deinen Artikel genauer unter die Lupe zu nehmen. Das ist dann ein Peer-Review.

Der Sinn des Peer-Reviews besteht darin, wissenschaftliche Journale idealerweise nur mit Beiträgen zu füllen, die den Lesern einen Mehrwert bieten. Das heißt, dass dein Artikel ein Thema haben muss, das (aktuell) von Interesse ist. Überdies werden nach einem sorgfältig durchgeführten Peer-Review ausschließlich Beiträge mit methodisch korrekter Forschung für eine Veröffentlichung berücksichtigt.

Übrigens: Auch „die Peer-Review“ ist gebräuchlich. Allerdings wird die weibliche Form eher selten verwendet. Deshalb bleibt der Begriff in diesem Beitrag stets sächlich.

Formen des Peer-Reviews

Es gibt zwei Formen des Peer-Reviews. Diese beziehen sich auf die Anonymität:

  • Single-Blind-Verfahren:
    • Beim Single-Blind-Verfahren weißt du nicht, welcher Peer deinen wissenschaftlichen Artikel begutachtet.
  • Double-Blind-Verfahren:
    • Beim Double-Blind-Verfahren kommt hinzu, dass auch der Peer, der den Beitrag analysiert, nicht weiß, von wem ebendieser stammt.

In der Regel entscheidet der Herausgeber des jeweiligen Journals, welche der beiden Peer-Review-Formen eingesetzt wird.

Wer führt ein Peer-Review durch?

Auch hier hat der Herausgeber des Journals die Karten in der Hand. Üblicherweise kann er auf ein Netzwerk aus (ihm) bekannten Wissenschaftlern zurückgreifen, die Peer-Reviews durchführen. Grundvoraussetzung ist, dass der beauftragte Peer die nötigen Kenntnisse zur Thematik besitzt.

Interessant: Bei besonders großen und renommierten Zeitschriften wird oftmals nach dem „Vier-Augen-Prinzip“ vorgegangen. Das heißt, dass zwei fachkundige Peers unabhängig voneinander ein Peer-Review vollziehen. Ansonsten kümmert sich nur eine Person um die Begutachtung.

Um ein möglichst hohes Maß an Objektivität sicherzustellen, wäre das „Vier-Augen-Prinzip“ natürlich zu bevorzugen. Häufig fehlt es jedoch an zeitlichen und finanziellen Ressourcen, um mindestens zwei Personen mit dem Peer-Review zu beauftragen.

Tipp: Hier geht es zu unserem Beitrag Operationalisierung

Kriterien bei einer Begutachtung

Tatsächlich gibt es je nach Journal mitunter große Unterschiede, was die genauen Kriterien bei der Bewertung betrifft. Ganz allgemein arbeiten manche Peers akribischer, andere hingegen etwas „lockerer“. Was beim fraglichen Peer-Review dann wirklich passiert, lässt sich leider kaum nachprüfen.

Prinzipiell kannst du davon ausgehen, dass wissenschaftliche Arbeiten, die du zur Veröffentlichung einreichst, anhand folgender Kriterien reviewt werden:

  • Hat der Beitrag einen echten Mehrwert bezüglich des spezifischen Forschungsgebiets?
  • Hat der Verfasser des Beitrags methodisch korrekt geforscht?
  • Hat der Verfasser die angewandte Methodik verständlich beschrieben?
  • Ist der Beitrag „journaltauglich“ geschrieben?
  • Enthält der Beitrag ausreichend Zitate?
  • Sind die Zitate aktuell (genug)?
  • Sind die Zitate formal korrekt integriert?

Übrigens: Rechtschreibung, Grammatik und grundlegender Schreibstil sind nicht zwingend Bestandteil des Reviews. Es kann allerdings durchaus vorkommen, dass der Verfasser bei ärgeren Schnitzern auf die Unzulänglichkeiten hingewiesen wird. Und für die gewünschte finale Veröffentlichung müssen diese drei Punkte selbstverständlich auch Hand und Fuß haben. Lass im Zweifel diesbezüglich schon jemanden aus deinem Umfeld drüberschauen, bevor du dein Paper einreichst.

Ablauf eines Peer-Reviews

Du und dein wissenschaftlicher Artikel, ihr seid Gegenstand des folgenden Beispiels, das den Ablauf eines Peer-Reviews Schritt für Schritt erklärt.

  1. Du wählst ein geeignetes Journal für deinen Artikel aus. Die Seite scimagojr.com hilft dir dabei.
  2. Du siehst dir die speziellen Bedingungen des Journals an, die an das Einreichen eines Artikels geknüpft sind, und befolgst sie.
  3. Du erstellst dir einen Online-Account beim Journal, über den du daraufhin deinen Artikel einreichst.
  4. Der Herausgeber wirft einen Blick auf deinen Artikel, um einzuschätzen, ob er formal in Ordnung und thematisch für das Journal relevant ist.
  5. Der Herausgeber teilt dir seine Einschätzung mit.
  6. Wenn der Herausgeber deinen Artikel nicht von vornherein abweist, beauftragt er einen oder zwei geeignete Peers damit, ihn zu reviewen.
  7. Nun prüft der Peer deinen Artikel (bestenfalls) auf Herz und Nieren. Das kann leider sehr viel Zeit in Anspruch nehmen – mitunter sogar mehrere Monate.
  8. Nach der Bewertung gibt der Peer dem Herausgeber des Journals Feedback. Dieses kann wie folgt aussehen:
    • Artikel passt und eignet sich zur Veröffentlichung
    • Artikel bedarf einer geringfügigen Überarbeitung
    • Artikel muss stark überarbeitet werden
    • Artikel ist (vorerst oder grundsätzlich) abzulehnen
  9. Im Falle einer erforderlichen Überarbeitung besserst du deinen Artikel nach oder bringst gegebenenfalls triftige Argumente vor, weshalb der Peer falsch liegt.
  10. Nach erneutem Einreichen entscheidet der Herausgeber, ob ein zweites Peer-Review stattfinden soll.
  11. Befindet der Peer deinen Artikel für „druckreif“, informiert er den Herausgeber darüber.
  12. Der Herausgeber des Journals übermittelt dir die frohe Botschaft (oder die weniger erfreuliche).

Vor- und Nachteile des Peer-Review-Gutachtens

Im besten Fall, nämlich bei einer absolut objektiven Betrachtung seitens der Peers, gelingt es durch Peer-Reviews, die Qualität der Artikel in wissenschaftlichen Fachjournalen extrem hoch zu halten. Doch du ahnst es sicherlich schon: Die Erforderlichkeit dieser objektiven Betrachtung ist das große Problem bei jedem Peer-Review.

Man kann leider nie genau wissen, ob der begutachtende Peer seine subjektiven Ansichten und/oder Ziele so weit außen vor lässt, dass er wirklich einzig und allein bewertet, ob der Beitrag Mehrwert bietet und auf einer methodisch korrekten Forschung basiert. Von vielen Experten wird das Peer-Review deshalb kritisch betrachtet.

Überhaupt gibt es zahlreiche Kritikpunkte/Fragwürdigkeiten – ein paar davon im Überblick:

Peer-Review Qualität der Artikel

Extrem hohe Qualität der Artikel in wissenschaftlichen Fachjournalen, wenn die Betrachtung der Peers absolut objektiv geschieht

Peer-Review schlechte Bewertung

Zieht der Peer die Begutachtung eines Artikels absichtlich in die Länge oder gibt bewusst eine schlechte Bewertung, um etwaiger Konkurrenz den Weg zu versperren?

Peer-Review Kenntnisse

Kennt sich der Peer detailliert mit dem konkreten Gegenstand des Artikels aus oder hat er nur Kenntnisse zum übergeordneten Themengebiet?

Peer-Review Zeitmangel

Setzt sich der Peer intensiv mit dem Beitrag auseinander, um eine fundierte Einschätzung abgeben zu können? Oder wirft er aus Zeitmangel oder anderen Motivationen heraus bloß einen oberflächlichen Blick darauf?

Im Grunde lassen sich all diese Fragwürdigkeiten nur dann zu einem großen Teil auflösen, wenn bei jedem Beitrag mehrere (auch mehr als zwei) Peers unabhängig voneinander ein Peer-Review durchführen. Doch dies scheint ressourcentechnisch nicht machbar. Deshalb dürfte auch in Zukunft hinter der Objektivität der meisten Reviews ein dickes Fragezeichen stehen.

Zusammenfassung

  • Peer-Review als Verfahren zur Qualitätssicherung bei wissenschaftlichen Publikationen
  • unabhängige Person aus demselben Fachgebiet prüft eingereichten Artikel
  • Relevanz/Mehrwert und methodische Korrektheit im Fokus des Reviews
  • wird halb (Reviewer kennt Namen des Verfassers) oder ganz anonym durchgeführt
  • immer wieder Kritik am Verfahren, da die Objektivität der Peers nicht gesichert ist