Quasi-Experiment im Überblick – Anwendung am Beispiel

31.03.23 Experiment Lesedauer: 5min

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Quasi-Experiment-Definition

In einem Quasi-Experiment werden Versuchs- und Kontrollgruppen nicht per Zufallsverfahren ermittelt, sondern anhand fester Variablen bestimmt. Das ermöglicht die ressourcenschonende Analyse bestimmter Zielgruppen/Milieus. Wir zeigen dir, wie ein Quasi-Experiment aufgebaut ist und welche Vor- und Nachteile du beachten solltest. Zudem erklären wir dir anhand eines Beispiels die Anwendung eines solchen Experiments.

Quasi-Experiment „einfach erklärt“

Ein Quasi-Experiment ist eine Forschungsmethode, bei der die Probanden für die Datenerhebung bewusst ausgesucht werden. Die Probanden werden aufgrund bestimmter Kriterien und nicht randomisiert ausgewählt. Die interne Validität kann nicht lückenlos gewährleistet werden.

Definition: Quasi-Experiment

Ein Quasi-Experiment ist ein wissenschaftliches Experiment, das Probanden gezielt anhand bestimmter Eigenschaften auswählt. Dadurch unterscheidet es sich von einem echten Experiment, das Versuchs- und Kontrollgruppen randomisiert zusammenstellt.

Dennoch ist das Quasi-Experiment eine legitime wissenschaftliche Methode. Es ermöglicht effiziente Datenerhebungen, wenn sich das betroffene Forschungsprojekt auf ein spezifisches Milieu oder eine bestimmte Personengruppe bezieht. Der Nachteil von Quasi-Experimenten liegt in der bedrohten internen Validität.1

Beispiel eines Quasi-Experiments

Der Vorgang eines Quasi-Experiments wird hier anhand des folgenden Beispiels erklärt:

Quasi-Experiment-Beispiel

Ein Forschungsprojekt geht der Frage nach, inwiefern die Hand-Augen-Koordination von Handballspielern effizienter ist als in anderen Bevölkerungsgruppen.

Dazu wird eine Versuchsgruppe aus professionellen Handballspielern und eine Kontrollgruppe aus Menschen zusammengestellt, die entweder keinen Sport beziehungsweise keine Sportarten betreiben und nicht nach einer guten Hand-Augen-Koordination verlangen.

Das Quasi-Experiment prüft die Hand-Augen-Koordination beider Gruppen anhand verschiedener Übungen, die keinen unmittelbaren Bezug zum Handball haben. Darunter Airhockey, computergestützte Reaktionstests, Nähübungen und Zeichenaufgaben. Bei allen Probanden wird aufgezeichnet, wie schnell und mit welcher Fehlerquote sie in der Lage sind, die verschiedenen Aufgaben zu erfüllen.

Das Experiment soll Aufschluss darüber geben, ob Handballer die Aufgaben schneller und mit geringerer Fehlerquote bewältigen können und inwiefern sich die Messdaten innerhalb der unterschiedlichen Übungen unterscheiden.

Dabei räumen die Forscher ein, dass die Hand-Augen-Koordination nicht allein durch Handball und vergleichbare Sportarten verbessert werden kann. Gegebenenfalls verfügen die Probanden über Eigenschaften, die im Versuchsaufbau nicht berücksichtigt wurden. Der qualitative Teil des Experiments widmet sich daher der sekundären Fragestellung, welche auffälligen Eigenschaften bei Probanden vorliegen, die in der Lage sind, die Übungen besonders effizient zu absolvieren. Aus dieser sekundären Fragestellung entwickeln die Forscher gegebenenfalls neue Forschungsfragen, um das Bild zu vervollständigen.

Das Quasi-Experiment: Die Vor- und Nachteile

Vorteile Nachteile
Quasi-Experiment ist eine ressourcenschonende Erhebungsmethode, da sie keiner Randomisierung bedarf Vorteil der Ressourcenschonung kann zum Nachteil werden, wenn es darum geht, repräsentative Datenmengen aus einem spezifischen Milieu zu erlangen. Es müssen genug Probanden gefunden werden, die den gesuchten Eigenschaften entsprechen
Versuchs- und Kontrollgruppen können an die Anforderungen des Experiments angepasst werden, um der Forschungsfrage gezielt nachzugehen. Es besteht eine hohe Authentizität der Forschungsdaten Quasi-Experiment kann mit Störvariablen einhergehen. Die interne Validität des Experiments ist nicht gewährleistet
Quasi-Experiment ist durch die vordefinierte Auswahl von Probanden leicht reproduzierbar Quasi-Experimente erlauben nur sehr eingeschränkte Aussagen über Kausalitätsbeziehungen

Quasi-Experimente in studentischen Abschlussarbeiten

Quasi-Experimente sind eine praktikable Methode für Forschungsfragen in Abschlussarbeiten.

Gründe:

  • geringere Datenmengen
  • mit ausreichendem Vorlauf, in relativ kurzer Zeit durchführbar und auswertbar

Herausforderung:

  • geeignete Probanden finden
    Wähle daher Milieus oder Personengruppen, zu denen du bereits Zugang hast oder ihn dir mit wenig Aufwand verschaffen kannst

Es ist wichtig, die Stärken und Schwächen deines Experiments transparent zu machen. Keine wissenschaftliche Methode verfügt über unumstößliche Aussagekraft. Die wissenschaftliche Arbeitsweise setzt vielmehr voraus, wie dass du zuverlässig darüber informierst, was deine Methode kann und was nicht. Dementsprechend ist das Quasi-Experiment gut geeignet, um deinen Umgang mit wissenschaftlichen Gütekriterien unter Beweis zu stellen.

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Was ist das Problem der internen Validität?

Die interne Validität bestimmt, inwieweit ein Experiment tatsächlich den Sachverhalt bemisst, der im Rahmen des Forschungsvorhabens untersucht werden soll.
Ein Quasi-Experiment kann die interne Validität nicht lückenlos gewährleisten, da es Probanden anhand vorher festgelegter Variablen auswählt und überprüft. Die so miteinander verglichenen Versuchs- und Kontrollgruppen könnten über weitere Eigenschaften verfügen, die Einfluss auf die Messdaten haben, im Versuchsaufbau aber nicht bedacht wurden.
Diese unbeobachteten Faktoren werden als Störvariablen bezeichnet.

Störvariablen können reduziert werden, indem das Experiment mehrere Eigenschaften der Probanden beleuchtet.
Selbst wenn die Forschungsfrage auf eine bestimmte Eigenschaft der Probanden ausgerichtet ist, können durch eine ganzheitliche Betrachtung weitere Korrelationen identifiziert werden. Auf diese Weise lassen sich Fehlschlüsse vermeiden. Andersherum werden Aussagen zur Kausalität möglich, wenn das Experiment alternative Korrelationen ausschließen kann.2

Beispiel: Problem der internen Validität:

Das oben genannte Beispiel räumt das Problem der internen Validität ein. Der Versuchsaufbau suggeriert, Handballspieler verfügen durch ihr Handballspielen über eine gute Hand-Augen-Koordination, wohingegen andere Teile der Bevölkerung diese nicht aufwiesen.

Sowohl Handballspieler als auch nicht-handballspielende Menschen können jedoch auch aus handballunabhängigen Gründen über eine gute oder schlechte Hand-Augen-Koordination verfügen. Die Diversität der Versuchsübungen soll weitere Eigenschaften hervorheben, die sich auf die Hand-Augen-Koordination auswirken. Dennoch kann die interne Validität dadurch nur teilweise hergestellt werden. Die Auswahl einer Gruppe von Probanden anhand spezifischer Eigenschaften impliziert bereits, dass ebendiese Eigenschaften für die Forschungsfrage relevant sind.

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Häufig gestellte Fragen

Ein Quasi-Experiment ist eine empirische Forschungsmethode, die im Voraus festlegt, nach welchen Kriterien die Probanden der Versuchs- und Kontrollgruppe auszuwählen sind. Das ermöglicht mit vergleichsweise geringem Aufwand, Aussagen zu prüfen, die diese Gruppen betreffen.

Durch die gezielte Auswahl der Probanden besteht die Gefahr einer mangelhaften internen Validität. Das bedeutet, dass mitschwingende Faktoren, die bei der Auswahl der Probanden eine Rolle spielen, möglicherweise unbeachtet bleiben.

Ein Quasi-Experiment dient vorrangig dazu, quantifizierbare Daten zu erheben, um statistische Aussagen zu ermöglichen. Es ist jedoch auch als qualitative Forschungsmethode denkbar – zum Beispiel, wenn mehrere spezifische Einzelfälle detailliert miteinander zu vergleichen sind.

Wissenschaftliche Fragestellungen, die sich auf ein bestimmtes Milieu beziehen, verlangen nach sehr spezifischen Probanden. Eine randomisierte Auswahl könnte dazu führen, dass Ergebnisse verfälscht werden und das Gros der erhobenen Daten für die eigentliche Forschungsfrage irrelevant bleibt. Ein Quasi-Experiment ermöglicht die zielgerichtete Auswahl von Probanden und ist daher besonders geeignet, um einen streng begrenzten Gegenstandsbereich zu analysieren.

Quasi-Experimente sind eine probate Methode für wissenschaftliche Arbeiten im Studium. Durch die gezielte Auswahl der Probanden gelangst du schnell an aussagekräftige Daten. Bedenke jedoch, dass du deinen Forschungsbereich deutlich eingrenzen musst.

Quellen

1 Bierhoff, Hans Werner/ Rudinger Georg: Quasi-experimentelle Untersuchungsmethoden, in: Universität Mannheim, o.D., [online] https://madoc.bib.uni-mannheim.de/50938/1/HQM04-Quasi-experimentelle-Untersuchungsmethoden.pdf (zuletzt abgerufen am 12.12.22)

2 Kühhirt Michael: Design und Analyse
von Quasi-Experimenten, in: Universität zu Köln, 27. Oktober 2015, [online] https://kuehhirt.github.io/pdfs/script_v3.pdf (zuletzt abgerufen am 12.12.22)